Washington/Wien - Dass sich der Irak, Iran und Nordkorea auf der "Achse des Bösen" von US-Präsident George W. Bush befinden, ist laut seinem Exredenschreiber David Frum das Ergebnis eines Zufalls. Wie die spanische Zeitung El País berichtet, lüftet Frum in einem neuen Buch die Entstehungsgeschichte des berühmtesten Satzes aus der Rede zur Lage der Nation. Nordkorea sei erst in letzter Minute in die Achse aufgenommen worden, so Frum.

Im Jänner 2002 sei er mit der Suche nach einem Ausdruck beauftragt worden, der eine Verbindung zwischen dem Irak und dem Terrornetzwerk Al-Kaida suggerieren würde. Dabei sei ihm der Begriff "Achse" eingefallen, der an Deutschland, Italien und Japan erinnerte, die Gegner der USA im Zweiten Weltkrieg. Bush hätte in seiner Rede unterstreichen können, dass der Irak und Al-Kaida eine "Achse des Hasses" (ursprüngliche Formulierung) darstellten, ohne Beweise für eine tatsächliche Allianz vorlegen zu müssen. Der nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice habe der Ausdruck gefallen, so Frum. Sie habe vorgeschlagen, auch den Iran in diese Achse aufzunehmen. Das Terrornetzwerk Al-Kaida, das nun nicht mehr in die Achse passte, wurde kurzerhand in einen anderen Teil der Rede verschoben.

Schließlich fiel der Kommunikationsberaterin des US-Präsidenten, Karen Hughes, auf, dass auch die früheren Achsenmächte drei an der Zahl waren (Berlin-Rom-Tokio). Daher sollte man auch noch Nordkorea - eine Diktatur mit einem Atomprogramm - in die Achse aufnehmen. Außerdem seien die Nordkoreaner keine Muslime, womit man möglicher Kritik begegnen könnte, die Achse des Bösen bestehe nur aus muslimischen Staaten. (APA, red/DER STANDARD, Printausgabe, 10.1.2003)