Wien - Wenn jemand jetzt seinetwegen nicht nach New York, London oder Paris reisen würde, sei das erstens bedauerlich und zweitens mitnichten seine Absicht, betont Michael Heimhilcher. Und drittens - aber das sagt der Mann zwischen den Sphingen und Statuetten nicht so - wäre jemand, der sich das New Yorker Metropolitan Museum, den Pariser Louvre oder das Londoner British Museum "erspart", weil es nun auch in Wien einen Museumsshop mit den dortigen Highlights gibt, ein - höflich formuliert - sehr seltsames Exemplar der Gattung Mensch.

Michael Heimhilcher jedenfalls will niemanden vom Besuch einiger der besten Museen der Welt abhalten. Geschweige denn die Wiener Museenszene gegen andere Häuser ausspielen. Im Gegenteil, betont der Hobbyägyptologe, wolle er gerade das kunstaffine Umfeld nutzen, Lust auf mehr - besser: "noch mehr" - zu machen. Und deshalb hat der gelernte EDV-Mann Ende November in der Babenbergerstraße, gleich hinter dem Kunsthistorischen Museum, mit "Replicart" Wiens ersten Museumsshop ohne Museum eröffnet.

Zwischen der Nase des David für den Kaminsims, dem Stein von Rosetta als Einkaufstasche oder dem Kopf des Tutenchamun findet sich hier aber auch Jugendstil-Retroschmuck aus den Wiener Werkstätten: "Qualitätsreplikate, wie sie auch in den Museumsshops vor Ort angeboten werden, kein Ramsch", umreißt Heimhilcher das Konzept, das in den ersten eineinhalb Monaten noch besser eingeschlagen habe, als er es ohnehin erwartet habe.

Darum plant er auch "noch heuer" Replicart-Filialen in anderen europäischen Metropolen zu eröffnen. Eventuell auch mit dem Sortiment Wiener Museumsshops.
(DER STANDARD, Printausgabe, 10.1.2003)