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"Inaki de Rentería" vor Gericht

Foto: APA/AFP/Vellou

Paris/Dax - Der mutmaßliche langjährige ETA-Chef Ignacio Gracia-Arregui alias "Inaki de Renteria" soll in Frankreich zu weiteren zehn Jahren Haft verurteilt werden. Die Pariser Staatsanwaltschaft beantragte für den 47-Jährigen am Freitag wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, illegalen Waffenbesitzes und Anstiftung zu Verbrechen die Höchststrafe von zehn Jahren und für seine 37-jährige Partnerin Fabienne Tapia fünf Jahre. "Inaki" verbüßt derzeit eine fünfjährige Haftstrafe. Auch die spanische Justiz will ihm den Prozess machen. Unterdessen wurden in Südwestfrankreich drei mutmaßliche ETA-Mitglieder festgenommen.

"Inaki" soll nach dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Dauer das Recht abgesprochen werden, das französische Staatsgebiet zu betreten. Nach den Feststellungen der Ermittler stand er von 1992 bis 2000 an der Spitze der baskischen Untergrundorganisation. Die Terrorismus-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft erklärte, sie hätte ein höheres Strafmaß gefordert, wenn dies die Gesetze zuließen. Zunächst wurde nicht mitgeteilt, wann das Urteil gesprochen werden soll.

Im Falle einer Verurteilung könnte der Ex-ETA-Chef auch an Spanien ausgeliefert werden. Die spanische Justiz beschuldigt ihn unter anderem, im August 1995 in Palma de Mallorca ein fehlgeschlagenes Heckenschützen-Attentat auf den spanischen König Juan Carlos geplant zu haben.

Verhandlung in Abwesenheit

In dem Pariser Verfahren wurden auch acht Jahre Gefängnis für den 35-jährigen Juan-Antonio Olarra-Guridi und sieben Jahre gegen vier Angeklagte beantragt, gegen die in Abwesenheit verhandelt worden war. Zu Beginn des Verfahrens am Donnerstag hatte "Inaki" sich zu seinem Militantismus bekannt. Zugleich sagte er: "Ich nehme alles auf mich, was man mir vorwirft, selbst wenn es nicht wahr ist."

Im südwestfranzösischen Kurort Dax ging den Sicherheitskräften eine bewaffnetes Trio ins Netz. Die beiden Männer und eine Frau, deren Identität zunächst noch nicht feststand, waren nach Angaben der Behörden in einem Auto mit gefälschten Nummernschildern unterwegs. Sie ließen sich ohne Widerstand verhaften. Der mutmaßliche ETA-Planungschef Ivón Fernández Iradi war den Angaben zufolge nicht unter den Festgenommenen. Er war Ende Dezember in Bayonne wenige Tage nach seiner Festnahme aus der Haftanstalt entkommen.

Im vergangenen Jahr waren insgesamt 191 ETA-Mitglieder verhaftet worden, 63 davon in Frankreich. Die baskische Gruppe kämpft seit drei Jahrzehnten für einen unabhängigen Staat im spanisch-französischen Baskengebiet. Bei ETA-Anschlägen wurden mehr als 800 Menschen getötet. (APA)