Die UFA ("Universum-Film-AG"), als Projekt des Kriegsministeriums im Auftrag von General Ludendorff am 18. Dezember 1917 gegründet, bezog ihre Geschäftsräume im "Piccadilly-Haus", dem späteren "Haus Vaterland" am Potsdamer Platz, Berlin. Schon davor, im April 1917, hatte man ein "Bild- und Filmarchiv" (BUFA) eingerichtet.

Ihre Stars (von Viktoria von Ballasko, Lil Dagover, Hilde Krahl bis Marlene Dietrich) sind auch in dem Band Die Gesichter der UFA. Starportraits einer Epoche von Friedemann Beyer (Heyne) nicht auf eine Linie zu bringen: Lilian Harvey als "der Rauschgoldengel der Dreißigerjahre", Anny Ondra, die Frau von Max Schmeling, und Renate Müller, die sehr jung in einer Klinik bei Berlin stirbt und in Wilmersdorf begraben ist, bleiben für sich.

Hans Albers, Sohn eines Schlachtmeisters, und Willy Birgel, Sohn eines Domgoldschmieds, oder Gustaf Gründgens, und daneben Rudolf Klein-Rogge, Alfred Abel, Rudi Goddei, haben wenig miteinander zu tun. Die UFA, die 1943 schon ein Vierteljahrhundert alt ist, schützt sie auch vor keinem Absturz.

"Die UFA im Spiegel ihrer Stars", heißt es im Vorwort des Bandes, aber ihre Stars tun ihr nicht den Gefallen, sie spiegeln nichts außer der Macht der Mächtigen. Ein Imperium beginnt, sich selbst zu spiegeln: 1918 kauft die UFA einen Stock von 500 Titeln auf, organisiert ein Jahr später Protestveranstaltungen gegen die Einführung einer Lustbarkeitssteuer und kann auch 1920 die Wiedereinführung der Zensur nicht verhindern. Heute, zu Beginn eines noch wenig glaubwürdigen Winters, erinnert man sich verwundert an frühe Kinobesuche, die man fröstelnd und samt Fieberanfällen und langwierigen Erkältungen dennoch leicht überstand.

Iwan Petrovich, im schweren Ledermantel über dem hellen Rock, Adele Sandrock, noch in höherem Alter grimmig wie gewohnt, eine zerschlissene Feder am schwarzen Hut, oder Luis Trenker - er geht, obwohl von den Bonzen geliebt, 1942 nach Italien - geben auch dem bisherigen Winter in Wien 2003 genügend verquere Illusionen.

1942 wurde am 10. Januar die Konzentration der Filmindustrie durch Gründung der "UFA Filmindustrie" (Ufi) abgeschlossen. Wie viel versprechend, klirrend oder mild der Winter damals war, wie viel Hoffnungen er wohl weckte?

Die Schenke zur ewigen Liebe hieß die letzte UFA-Produktion. 1953 wird die alte staatliche UFA aufgelöst. Wer Hans Albers im Krieg als Nazi-Münchhausen oder Olga Tschechowa als Reisende in die Vergangenheit auf verbotenen Kinositzen bewunderte, wünscht dem Kino im immer noch neuen Jahr das gegen weitere Vereinfachungen zu schützende Glück, von dem es lebt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.1. 2003)