Bild nicht mehr verfügbar.

Die mit Spannung erwartete Pressekonferenz von Premier Sharon endete mit einem Eklat.

Foto: REUTERS/Russell Boyce

Bild nicht mehr verfügbar.

Premier Sharon (links) und seine Söhne Gilad (Mitte) und Omri (rechts)

Foto: APA/AFPI

Energieimpulse hat der israelische Wahlkampf durch den Themenwechsel weg vom Palästinenserkonflikt und hin zu den Korruptionsvorwürfen gegen Premier Ariel Sharon bekommen. Beide Großparteien schickten am Freitag massiv ihre "Stoßtrupps" an die großen Straßenkreuzungen, um Werbematerial zu verteilen und jene zu gewinnen, die wegen der ständigen Verdächtigungen und Gegenverdächtigungen schwankend geworden sind.

Bei der Arbeiterpartei, die lange resigniert gewirkt hatte, ist neue Hoffnung erwacht, eine Niederlage bei den Wahlen am 28. Jänner in Grenzen zu halten oder gar doch noch abzuwenden. Der bisher siegessichere Likud ist alarmiert und mobilisiert gegen den "Verleumdungsfeldzug".

Mehr als zehn Likud-Mandate sind im letzten Monat laut Umfragen dahingeschmolzen. Da konnte Sharon, der sich gern staatsmännisch-vornehm gibt, nicht länger zusehen und warf sich persönlich in den Gegenangriff. In einer spektakulären Pressekonferenz, die live von den drei Fernseh- und zwei Radiokanälen übertragen wurde, warf Sharon Donnerstagabend der Arbeiterpartei vor, sie hätte angesichts katastrophaler Umfragewerte in ihrer Verzweiflung eine gezielte Rufmordkampagne gegen ihn angezettelt und ihn sogar in die Nähe der "Mafia" und des "organisierten Verbrechens" gerückt.

Schwachstelle

Als einziger aller Politiker, denen problematische Wahlspenden zugeflossen seien, habe er das Geld sofort zurückgegeben, sagte Sharon. Dafür habe er alle seine Ersparnisse und die seiner verstorbenen Frau geopfert. Den großen Restbetrag habe sein Sohn Gilad Sharon aufgetrieben, der ein erfolgreicher Geschäftsmann sei. Doch dass Sharon nach eigener Aussage "nicht genau wusste, wie das Geld beschafft wurde", weil seine Söhne die große Familienfarm und die Geldsachen verwalten, war die Schwachstelle seiner Argumentation.

Dramatisch wurde es fürs Publikum, als die Direktübertragungen in Fernsehen und Radio mitten in einem Satz Sharons auf Geheiß des Chefs der Wahlkommission abgebrochen wurden. Die Worte des Premiers wurden nämlich als Wahlwerbung ausgelegt, und die ist in den elektronischen Medien verboten. (DERSTANDARD, Printausgabe, 11./12.1.2003)