Prag - Der Kandidat für das Präsidentenamt in Tschechien, Jaroslav Bures, hat sich wenige Tage vor der Wahl zu einem Verkehrsunfall bekannt, bei dem er eine Frau überfahren und getötet hatte. Wie Bures der tschechischen Tageszeitung "Pravo" (Freitag-Ausgabe) sagte, trage er für den Unfall im Jahr 1983 keine Verantwortung, weil die 84-jährige Frau bei Rot den Übergang betreten habe. Dies hätten auch die Ermittlungen und Zeugen bestätigt, sodass Bures weder strafrechtlich verfolgt noch verurteilt worden sei.

Auf die Frage, warum er damit nicht früher an die Öffentlichkeit gegangen sei, antwortete Bures, es handle sich dabei wohl "nicht um eine Information, die ich irgendwo aushängen sollte". Die sozialdemokratische Partei (CSSD) von Ministerpräsident Vladimir Spidla, für die er als Parteiloser für das Präsidentenamt kandidiert, wisse von diesem tödlichen Verkehrsunfall, versicherte Bures. Er hatte zur Zeit des Unfalls in Prag als Richter gearbeitet.

Bereits zweites Bekenntnis für Verkehrsunfall mit Todesfolge

Bures ist schon der zweite Bewerber um das Amt des Staatsoberhauptes, der sich kurz vor der Wahl zu einem Verkehrsunfall mit Todesfolge bekennt. Anfang Dezember gab der Ombudsmann Otakar Motejl bekannt, dass er vor 24 Jahren mit seinem Auto einen älteren Passanten getötet hatte. Im Unterschied zu Bures trug jedoch Motejl die Verantwortung und wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten und einem Fahrverbot verurteilt. Im Jahr 1980 wurde er dann vom damaligen Staatspräsidenten Gustav Husak amnestiert.

Motejl wurde, obwohl er als aussichtsreicher Kandidat galt, schließlich nicht nominiert. Wie Bures sollte auch Motejl als Parteiloser für die Sozialdemokraten kandidieren, allerdings landete er bei einer innerparteilichen Abstimmung auf dem dritten Platz hinter dem ehemaligen Regierungschef Milos Zeman und Bures. Da Zeman in der ersten Wahlrunde nicht kandidieren wollte, schlugen die Sozialdemokraten Bures vor. (APA)