Rom - Italien befürchtet eine neue Welle linksextremistischer Attentate. Nach Medienberichten vom Freitag wurden für den Chefredakteur der Mailänder Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore", Guido Gentili, Schutzmaßnahmen ergriffen. Gentilis Wagen war kürzlich von zwei unbekannten Motorradfahrern durch die Straßen von Mailand verfolgt wurde. Mit seiner Zeitung hatte der Arbeitsrechtsexperte Marco Biagi gearbeitet, der im vergangenen März von einem linksextremistischen Kommando vor seiner Wohnung in Bologna erschossen worden war.

Unbekannte hatten Gentili bereits im September verfolgt, berichtete das italienische Staatsfernsehen RAI. Daraufhin hatte die Polizei dem Chefredakteur geraten, die Sicherheitsvorkehrungen in seiner Redaktion zu verstärken.

"Antiimperialistischen Zellen" unterzeichnen Flugblätter

Flugblätter mit linksextremistischen Parolen und Terrordrohungen erhielten diese Woche die Tageszeitungen "Il Piccolo" in Triest und "Unione Sarda" in Cagliari. Die Flugblätter wurden von so genannten "Antiimperialistischen Zellen" unterzeichnet. Es könnte sich laut Ermittlern um eine Nachfolgegruppe der in den 80er Jahren aufgelösten Terrororganisation Rote Brigaden handeln.

Die Roten Brigaden waren vor allem in den 70er und 80er Jahren aktiv. Ihr prominentestes Opfer war der frühere Ministerpräsident Aldo Moro, der 1978 entführt und ermordet wurde. Vergangenen März hatte sich eine Zelle der Roten Brigaden zur Ermordung des Regierungsberaters Biagi sowie des Arbeitsrechtsexperten Massimo D'Antona im Mai 1999 bekannt. (APA)