Rom - Mehr als 200 Jahre nachdem seine Truppen Venedig erobert haben, soll Napoleon Bonaparte dort wegen Kunstdiebstahls symbolisch der Prozess gemacht werden. Mit dem für März geplanten Scheinprozess will eine Gruppe Venezianer verhindern, dass eine Statue des französischen Feldherren aufgestellt wird. "Ja, Napoleon spielte eine Rolle in der Geschichte der Stadt. Genau wie der (faschistische Diktator Benito) Mussolini", sagte Mario d'Elia, Organisator des Prozesses, am Donnerstag. "Sollten wir deshalb auch von ihm eine Statue in einem Museum haben?"

Napoleon hatte im oberitalienischen Feldzug 1797 Venedig erobert und die Stadt später an Österreich abgetreten. Bei dem Feldzug ließ er zahlreiche Kirchen und andere Gebäude zerstören. Viele Venezianer sehen deshalb in Napoleon einen Tyrannen, der die Stadt ihrer Unabhängigkeit beraubte und sie plündern ließ.

Standbild

Die 2,5 Meter hohe, weiße Marmorstatue zeigt Napoleon mit einem Globus in der Hand. Kaufleute von Venedig hatten einst Napoleon mit der von Domenico Banti geschaffenen Statue für den steuerfreien Hafen danken wollen. Von 1811 bis 1814 stand sie auf dem Markusplatz, bevor sie auf die nahe gelegene Insel San Giorgio Maggiore gebracht wurde.

Bis zu einer Versteigerung in New York im vergangenen Jahr hatten Kunsthistoriker das Standbild aus den Augen verloren. In New York erwarb eine Käufergemeinschaft aus Venedig das Kunstwerk. Nun soll es mit Erlaubnis der Stadtverwaltung im Correr Museum am Markusplatz aufgestellt werden.

"Die Rückkehr der Statue nach Venedig ist dadurch gerechtfertigt, dass es eine venezianische Arbeit und Napoleon Teil der venezianischen Geschichte ist", sagte der französische Historiker Jerome Zieseniss, der die Käufergemeinschaft vertritt. Zwar habe Napoleon die Republik Venedig beendet. Er habe Kirchen und weitere historische Gebäude in der Stadt zerstört, doch habe er an deren Stelle andere errichtet, die damals als Verbesserung angesehen worden seien. (APA/Reuters)