Der Organisation Amerikanischer Staaten soll ein Vorschlag zur Lösung der Krise übermittelt werden.

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Caracas/Washington - Die USA wollen sich aus Sorge vor möglichen Öl-Engpässen in den Konflikt zwischen der Regierung und Opposition in Venezuela einschalten. Eine entsprechende Initiative werde die Regierung von Präsident George W. Bush in der kommenden Woche bekannt geben, berichtete die "Washington Post" am Freitag. Erstes Ziel der internationalen Bemühungen solle ein Ende des seit zwei Monate andauernden Streiks sein.

Die Bush-Regierung hatte sich bisher aus dem Konflikt herausgehalten. Doch in jüngster Zeit sei die Sorge nicht zuletzt um die Öllieferungen gewachsen, hieß es. Ein Beamter des Außenministeriums erklärte der "Washington Post": "Wir haben immer 1,5 Millionen Barrel Öl am Tag bekommen, und nun bekommen wir nichts."

Der seit 40 Tagen anhaltende Generalstreik in Venezuela, mit dem die Opposition einen Rücktritt des als "autoritär" kritisierten linksnationalistischen Präsidenten Hugo Chavez oder Neuwahlen erzwingen will, hat auch die venezolanische Ölindustrie weit gehend lahm gelegt.

80 Prozent der Banken streiken

Die Angestellten der Banken setzten unterdessen am Freitag ihre Arbeitsniederlegung im Rahmen des Generalstreiks gegen Chavez fort. Der Führer der Bankengewerkschaft, Jose Torres, sagte, mehr als 80 Prozent aller Banken hätten sich am Vortag dem Ausstand angeschlossen. Auch am Freitag öffneten nach Medien-Berichten nur wenige Bankfilialen im Zentrum von Caracas.

Die Streikenden kündigten für den Nachmittag (Ortszeit) einen Protestmarsch in der Hauptstadt Caracas an. Man wolle unter anderem von dem als Vermittler auftretenden Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Cesar Gavíria, eine baldige Lösung des Konflikts fordern. Gaviria meinte dazu, eine schnelle Lösung sei noch nicht in Sicht. "Über Wahlen wird am Verhandlungstisch vorerst nicht einmal geredet", räumte er ein.

Unterdessen erwägen die Lehrergewerkschaften eine Beteiligung an der Streikbewegung nach den Januar-Ferien. Der Oppositions- und Gewerkschafts-Führer Carlos Ortega warf der Regierung vor, demonstrierende Gegner von Chavez würden von Präsidentenanhängern weiter eingeschüchtert. Am Donnerstag waren im Bundesland Falcon bei Unruhen zwei Männer angeschossen worden. (APA/dpa)