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Schlafen kann trainiert werden.

Foto: Reuters/Eriko Sugita

Heidelberg - Verhaltenstherapeutische Maßnahmen helfen gegen Schlafstörungen ebenso gut wie Medikamente. Das belegt eine Analyse internationaler Studien, über die die Deutsche Gesellschaft für Neurologie in ihrem Fachblatt "Neurologie & Psychiatrie" berichtet. In Gruppentherapien lernten die Patienten, das Bett nur als Schlafstätte und nicht zum Fernsehen, Essen oder Lesen zu benutzen. Nützlich sei auch der Schlafentzug, der helfen solle, die Einschlafzeit zu verkürzen.

"Verhaltenstherapeutische Methoden sind eine wirksame Alternative zu Schlaftabletten", betonen die Experten. Amerikanische Forscher hatten in einer so genannten Meta-Analyse 150 Studien zur Therapie von Schlafstörungen untersucht. Ergebnis: Wer eine im Schnitt fünfwöchige Verhaltenstherapie machte, konnte die Einschlafzeit um 43 Prozent verringern. Medikamentös reduzierte sich der Zeitraum zwischen Zubettgehen und Einschlagen dagegen nur um 30 Prozent.

Im Vergleich

Die nächtliche Wachzeit ließ sich mit der Verhaltenstherapie um 56 Prozent verkürzen, mit Arzneimitteln um 46 Prozent. Die subjektive Schlafqualität verbesserte sich bei den Therapie-Patienten um 28 Prozent, bei den Pharma-Patienten um 20 Prozent. Allerdings schliefen die Betroffenen mit Medikamenten im Schnitt zwölf Prozent länger als zuvor, bei der Verhaltenstherapie verlängerte sich die Schlafzeit nur um sechs Prozent.

Unter chronischen Schlafstörungen leiden Schätzungen zufolge in Industriestaaten bis zu 20 Prozent der Menschen. Die so genannte Insomnie gehört zu den häufigsten psychischen Beschwerden, mit denen Patienten zum Hausarzt kommen. Die Störungen ziehen langfristig neben Lustlosigkeit und Arbeitsunfähigkeit ein fünffach erhöhtes Depressionsrisiko nach sich. Ursachen sind meist geistige und körperliche Anspannung, Schlaf behindernde Gedanken, Schichtarbeit und häufige Reisen. (APA/AP)