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Das SPD-Vorstandsmitglied Hermann Scheer erhielt 1999 den Alternativen Nobelpreis.

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26 der 40 Riesenerdölfelder, aus denen 60 Prozent der Ölförderungen weltweit stammen, liegen am Golf.

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In Saudiarabien liegen die größten und am meisten ausgebeuteten Erdölreserven der Welt, im Irak die zweitgrößten.

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Der britische Staatsbetrieb "British Petrol" (BP) gehört wie der französische Konzern "Total Fina Elf" zu den sechs größten Erdölgesellschaften der Welt.

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Dass es bei einem möglichen Krieg gegen den Irak weniger um den Sturz einer Diktatur als vielmehr um die Durchsetzung der Ölinteressen seitens der USA, Großbritanniens als auch Frankreichs geht, liegt für den deutschen Energie- und Rüstungsexperten auf der Hand.

Nachdem sich billig zu gewinnendes Öl in den nächsten vier Dekaden zu Ende neigen würde, müsse zunehmend für politisch abgesicherte Zugänge gesorgt werden, um auch weiterhin die Preise für das Schwarze Gold kontrollieren zu können, so Scheer im Interview mit Spiegel-Online. Gerade für die USA, deren Ökonomie auf 25 Prozent der weltweiten Förderung angewiesen sei, werde es daher zunehmend bedeutsam, die Kontrolle über jene zu sichern. Auch eine Kriegsteilnahme Großbritanniens und Frankreichs sei von eben diesem Interesse geprägt. Zur Ressourcensicherung würden die USA mittels Militäraktionen in der Golfregion seit 1991 jährlich nicht nur bis zu 60 Milliarden Dollar ausgeben, sondern zunehmend auch gegen das humanitäre Völkerrecht, wie beispielsweise gegen die Genfer Konvention, verstoßen.

Kriegsrisiko

Das Kriegsrisiko selbst schätzt Scheer immer noch sehr hoch ein, denn in der Entsendung der Waffeninspektoren wolle die US-regierung lediglich die US-Öffentichkeit hinters Licht führen. Ernst genommen würden die Berichte der Kontrolleure nicht, nachdem sich die Bush- Administration immer wieder auf angeblich bessere Informationen stütze und die der UNO als nicht ausreichend zurückweise.

Teure militärische Beteiligung

Auf die Frage, wie er das Verhalten Deutschlands im Kriegsfall einschätze, meint der SPD-Politiker: "Das Risiko, plötzlich Ja statt Nein zu einem Krieg zu sagen, wäre immens für ihn (Schröder Anm. der Red) und die gesamte Koalition. Ich glaube nicht, dass das SPD und Grüne ohne lange dauernden Schaden überstehen würden. Auch für Deutschlands Ansehen wäre ein solcher Wandel fatal - und teuer." Teuer, weil ein "Ja" im Sicherheitsrat auch die Beteiligung an den Kriegsfolgekosten bedeute.

Alternativen

Um Kriege wie diesen als auch eine weltweite Aufrüstung zu verhindern, sieht der Träger des Right-Livelihood-Awards, des sogenannten "alternativen Nobelpreises", nur einen Ausweg: die Entwicklung einer "Anti-Öl-Strategie". So müssten "dezentralisierte und erneuerbare Energien" gefördert und die Abhängigkeit von Erdöl dezimiert werden. Ansätze wie diese wären zwar unter dem ehemaligen US-Präsidenten Carter forciert, von seinem Nachfolger Reagan jedoch wieder zerstört worden. Die Tatsache, dass auch der jetztige US-Präsident Bush massiv von der Ölindustrie unterstützt würde, wäre das Verhängnis, welches es jetzt auszubaden gelte. (hag)