Wiesbaden - Die Konjunkturflaute treibt immer mehr deutsche Unternehmen in die Pleite. In den ersten neun Monaten 2002 stieg die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften im Vergleich zum Vorjahr um 13,1 Prozent auf 17.995, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Einschließlich der Kleinunternehmen gab es 28.129 Firmenzusammenbrüche; 15.213 Verbraucher meldeten Insolvenz an. Insgesamt wurden 62.256 Insolvenzen gezählt. Die offenen Forderungen der Gläubiger betrugen 48,2 Mrd. Euro.

Für das gesamte vergangene Jahr erwartet das Bundesamt 84.000 Insolvenzen, darunter 38.000 von Unternehmen. Zugleich wies die Behörde darauf hin, dass in Folge der Reform des Insolvenzrechts ab 1. Dezember 2001 erheblich mehr Insolvenzverfahren eröffnet wurden als vorher. Natürliche Personen können demnach auch dann ein Insolvenzverfahren beantragen, wenn sie mittellos sind, da ihnen die Verfahrenskosten gestundet werden können.

Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ist Voraussetzung, um - nach einer sechsjährigen "Wohlverhaltensphase" - die Befreiung von den restlichen Schulden zu erlangen. Diese Erleichterung gilt nicht nur für Verbraucher, sondern auch für ehemals selbstständig Tätige und für Kleinunternehmen. Daher seien die Insolvenzverfahren für Unternehmen - außer für Kapital- und Personengesellschaften - nicht mit den Vorjahreszahlen vergleichbar, erklärte das Bundesamt. (APA/AP)