Wien - Der Erfolg der im Herbst 2002 durchgeführten Lehrlingsinitiativen von Regierung, Wirtschaftskammer und AMS hat sich noch nicht eingestellt - oder lässt sich zumindest statistisch nicht erfassen: Ende Dezember 2002 gab es laut Arbeitsmarktservice (AMS) zwar um 260 mehr offene Lehrstellen als 2001, gleichzeitig waren 2002 aber 387 mehr Lehrstellensuchende vorgemerkt. Die Wirtschaftskammer (WKÖ) hatte schon Mitte November des Vorjahres von 2.000 zusätzlichen Lehrplätzen als Folge ihrer Aktionswoche im Oktober berichtet.

Die seit einigen Tagen vorliegenden AMS-Zahlen taugen aber nicht wirklich als Messlatte für die hauseigene Lehrlingsaktion, bei der 11.000 Mitgliedsbetriebe kontaktiert wurden, argumentiert man in der Wirtschaftskammer. "Nur ein kleinerer Teil der offenen Lehrstellen wird dem AMS überhaupt gemeldet", erläutert Alfred Freundlinger von der Bildungspolitischen Abteilung der WKÖ. Die für die zweite Jänner-Hälfte erwartete Lehrlingsstatistik, die die Zahlen für die österreichweit abgeschlossenen Lehrverträge beinhalten wird, werde aussagekräftiger sein, meinte Freundlinger auf APA-Anfrage.

Der Experte räumte aber ein, dass die vorliegenden AMS-Zahlen "tatsächlich ernüchternd" aussähen. Die Wirtschaftskammer habe mit der Aktion einen "Beitrag leisten" wollen, aber "man muss sagen, dass damit das Problem nicht gelöst werden kann". Neben Einflüssen aus der schlechten Konjunktur gebe es bei einem kleineren Teil der Jugendlichen massive Defizite bei grundlegenden Qualifikationen: "Es gibt viele Betriebe, die würden gerne Leute aufnehmen, aber am Ende bleibt dann niemand übrig, dem sie das zutrauen." Ähnlich hatte sich am Donnerstag der Bundesspartenobmann des Gewerbes, Georg Toifl geäußert.

Neben der Aktionswoche Mitte Oktober, in der die Unternehmen direkt angesprochen wurden, haben WKÖ, Wirtschaftsministerium und AMS in den letzten Monaten 2002 einen Info-Bus durch 72 österreichische Orte geschickt, in dem Jugendliche und Betriebe über Berufsmöglichkeiten bzw. über die Förderung von Lehrstellen informiert. (APA)