Warschau - Ein Parlamentsausschuss des polnischen Sejm soll untersuchen, ob es bei den Arbeiten an der Novellierung des Mediengesetzes zu Korruption gekommen sind. Die Abstimmung über die Zusammensetzung des Gremiums wurde am Freitag erst in den späten Abendstunden erwartet. Mit dem Untersuchungsausschuss soll nun auch im Parlament Vorwürfen der linksliberalen Zeitung "Gazeta Wyborcza" nachgegangen werden, mit denen sich bereits die Staatsanwaltschaft befasst.

Die "Gazeta Wyborcza" hatte Ende Dezember berichtet, der Filmproduzent Lew Rywin habe am Sommer in einem Gespräch mit Adam Michnik, dem Chefredakteur der Zeitung, Einflussnahme auf das neue Gesetz angeboten. Gegen ein Schmiergeld von 17,5 Millionen Dollar sei er bereit, als Lobbyist für den Medienkonzern Agora S.A. zu wirken, zu dem auch die "Gazeta Wyborcza" gehört.

Rywin ist einer der bekanntesten Vertreter der polnischen Filmbranche. Er was unter anderem Ko-Produzent von Steven Spielbergs "Schindlers Liste" und Roman Polanskis "Der Pianist". Er bestreitet die Vorwürfe des Blattes. Michnik, der das Gespräch angeblich auf Tonband aufgenommen hatte, wurde Anfang der Woche von der Warschauer Staatsanwaltschaft als Zeuge vernommen.

Die Novellierung des Mediengesetzes wurde zunächst zurückgestellt. Kritiker warfen dem Gesetzentwurf vor, das staatliche Fernsehen zu stärken. In dem Gesetz ist unter anderem vorgesehen, den Eigentümern von Zeitungsverlagen die Übernahme von landesweit sendenden Radio- und Fernsehstationen zu verwehren. Die Agora-Gruppe besitzt mehrere lokale Radiosender, hat aber auch Interesse an der Übernahme des landesweit sendenden Fernsehsenders "Polsat" bekundet.

In den polnischen Medien wird die Affäre bereits als "Rywingate" bezeichnet. Unklar ist, warum die "Gazeta Wyborcza" mit der Veröffentlichung ihrer Vorwürfe monatelang wartete. (APA/dpa)