Bern - Im Kampf gegen den zunehmenden Zuwanderungsdruck aus den ärmeren Weltregionen baut die EU "die Festung Europa" weiter aus. Mitte Jänner führen die EU-Staaten die Datenbank EURODAC ein, das Register für Fingerabdrücke von Asylbewerbern. Damit steigt auch der Druck auf die Schweizer Asylpolitik. Als Kernproblem betrachten Experten, dass die Schweiz die Abkommen von Schengen und Dublin nicht unterschrieben hat und die EU nun das so genannte Dublin-Abkommen durchsetzen will.

Das Dubliner Erstasylabkommen war bis jetzt eher ein "Tiger ohne Zähne". Der Vertrag sollte verhindern, dass Asylsuchende in verschiedenen Staaten gleichzeitige oder aufeinander folgende Asylanträge stellen. Bei der Umsetzung des Vertrages stießen die Behörden aber auf Schwierigkeiten. Bis dato konnten abgewiesene Asylbewerber untertauchen und in einem anderen Land einen neuen Antrag stellen.

Zeiten vorbei

Mit EURODAC dürften diese Zeiten nun vorbei sein. Die Datenbank mit den Fingerabdrücken aller irregulär in den EU-Raum eingereisten Flüchtlinge erleichtert die Identifikation von Zweitbewerbern stark. Werden Asylsuchende ein Mal identifiziert, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als in ihre Heimat zurückzukehren oder in einen Staat auszuweichen, der den Dublin-Vertrag nicht unterzeichnet hat. Die Schweiz als "Insel im Herzen des vereinten Europas" und somit ohne Zugriff auf EURODAC bietet sich dabei als interessante Alternative an.

"Die Schweiz wird zum Ausweichland", sagte Barbara Walther, Leiterin des Bereichs Migration des Hilfswerks Caritas, gegenüber der "Berner Zeitung". Sie rechne zwar nicht mit einem sofortigen Anstieg der Asylbewerberzahlen, doch sei ein steigender Druck zu erwarten, wenn die Schweiz langfristig den Abkommen von Schengen und Dublin fernbleibe. Obwohl diese Abkommen Mängel hätten, sollte die Schweiz beitreten. Denn: "Als kleines Land ist es blauäugig zu meinen, die Asylproblematik selber lösen zu können", betonte Walther. In der Schweiz stellten im vergangenen Jahr 26.125 Menschen einen Asylantrag. In Europa waren es insgesamt rund 400.000. (APA/sda)