"Büros müssen vom technischen Standard her state of the art sein. Die Ansprüche in diesem Bereich ändern sich beinahe wöchentlich." Für Karl Petrikovics, Chef der Immofinanz, Österreichs größter Immobiliengesellschaft, gehört beste Ausstattung in den Bereichen Telekommunikation und EDV zu den wichtigsten Kriterien für eine gute Büroimmobilie.

Daneben sollte das Büro auch dem Bild entsprechen, welches das Unternehmen der Außenwelt vermitteln will. "Gerade in Zeiten, wo man verstärkt auf die Kosten schauen muss, wird sich ein sparsamer Telekom-Unternehmer nicht in einem Palais einmieten", sagt Petrikovics. Auch wenn in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Entscheidungen im Unternehmen öfter hinterfragt werden, rät der Immofinanz-Chef zu überlegen, ob nicht eine Übersiedlung unter Umständen kostengünstiger sein kann.

Moderate Mieten

Ein Grund dafür: Für Nachfrager sind Wiener Büroimmobilien vor allem durch die im europäischen Vergleich sehr moderaten Mieten attraktiv. So werden die Netto-Mietpreise für Top-Bürolagen in Wien auch 2003 mit rund 21 Euro pro Quadratmeter stabil bleiben, glaubt Petrikovics. Zum Vergleich: In Berlin muss man 28 Euro hinblättern, in Frankfurt sogar 43 Euro. In London liegt der Quadratmeterpreis bereits jenseits der 90 Euro.

Die Leerstandsrate am Wiener Markt ist dagegen durchaus vergleichbar mit internationalen Top-Büropflastern wie Frankfurt, London oder München. Mit vier bis fünf Prozent liegt die Bundeshauptstadt im europäischen Vergleich im unteren Drittel. Man könne in dieser Dimension beinahe von "Vollvermietung" sprechen, so Petrikovics. Die Zeiten, in denen man Leerstandsquoten von zwei bis drei Prozent gehabt habe, seien ohnehin "ungesund" gewesen, weil dadurch die Expansionsmöglichkeiten für Firmen stark beschnitten gewesen seien.

Die Neubauleistung werde heuer rund 400.000 Quadratmeter betragen und damit unter dem Rekordwert des Jahres 2001 mit 480.000 Quadratmetern bleiben. Durch die bevorstehende EU-Erweiterung würden Nachfrage und Bautätigkeit allerdings wieder steigen, schätzen Experten. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut bringe die Erweiterung mittelfristig 30.000 neue Jobs. Das würde 450.000 bis 600.000 Quadratmeter neue Bürofläche erfordern, sagt etwa Bruno Ettenauer, Immobilien-Ressortleiter bei der Bank Austria Creditanstalt.

"Brückenkopf"

Petrikovics stößt ins selbe Horn. Wien rücke durch die Erweiterung vom Rand der EU in deren Mitte. "Manager von in den Osten expandierenden Firmen ziehen Wien als Headquarter oder als Wohnort für die Familie in jedem Fall Städten im ehemaligen Ostblock vor, da diese ohnehin relativ rasch von Wien aus erreichbar sind." Eine "Brückenkopffunktion", die man verstärkt leben müsse, argumentiert der Immofinanz-Chef. Gefordert seien hier Politik und Wirtschaft gleichermaßen, denn: "Nur esoterisch darüber zu reden, wird uns nicht weiterhelfen." (Robert Zwickelsdorfer, DER STANDARD Printausgabe 11/12.1.2003)