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Maurice Gibb ist unerwartet verstorben.

Foto: REUTERS/Shannon Stapleton

Miami - Neben den Wilson-Brüdern Brian, Carl und Dennis von den kalifornischen Beach Boys mussten die drei mit ihrer Familie Ende der 50er-Jahre von Großbritannien nach Australien emigrierten Gebrüder Barry und das Zwillingspaar Maurice und Robin Gibb alias Bee Gees zwar etwas verblassen. Nicht nur der harmonieselige Falsettgesang, der Lobpreis der Minne und ihrer therapeutischen Folgekosten sind hier gemeint, sondern vor allem die etwas sperrigere Kompositionstechnik hinsichtlich des Evergreen-Potenzials.

Immerhin setzte die Gibb-Sippe ab Mitte der 60er statt auf "Good Vibrations" schon mit dem ersten Hit "New York Mining Desaster, 1941" mehr auf die kalten Fakten des Lebens. Diese wurden in neurotischen Herzschmerzballaden wie "World" und "Words" zu pathetischen Arbeiten wie "Odessa" großmannssüchtig aufgeblasen. Immerhin fühlte man sich 1969 "Sgt. Pepper" verpflichtet und meinte, ein psychedelisches Konzept-Doppelalbum produzieren zu müssen - der bis heute einzige Flop der Bee Gees.

Nachdem Anfang der 70er-Jahre vor allem Alkohol und Kokain, Soloversuche und Prozesse gegen Exmanager für Schlagzeilen gesorgt hatten, folgte nach einigen vor allem in der Wahlheimat USA erfolgreichen Dancefloor-Produktionen 1977 eine den gesamten Globus erschütternde Zeitenwende. Mit dem Soundtrack zu "Saturday Night Fever" und Hits wie "Stayin' Alive", "Night Fever" oder "How Deep Is Your Love" wurden Barry, Maurice und Robin zu Säulenheiligen der Disco-Bewegung. Ein mit etwas blutleeren Falsett-Balladen gekoppelter Stil, den sie bei gleichbleibendem Erfolg beibehalten sollten. Im Gegensatz zu Robin und Barry hielt sich Maurice an der Bassgitarre und ausschließlich als Harmoniesänger immer fern vom Rampenlicht. Nachdem er Anfang Jänner wegen eines Darmverschlusses notoperiert werden musste, erlitt er im Krankenhaus einen Herzinfarkt und fiel ins Koma. Maurice Gibb starb am Samstag im Beisein der Familie. Er wurde 53 Jahre alt. (Christian Schachinger / DER Standard, Printausgabe vom 13.1.2003)