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Wortkarg, störrisch, medienscheu: Bestsellerautor Henning Mankell inszeniert für Graz 2003 sein Immigrantenstück "Butterfly Blues".

Foto: APA/Gepa/Pammer

Avenida ist das portugiesische Wort für Straße, und gewissermaßen straßenbodenständig politisch korrekt ist auch das Theaterstück "Butterfly Blues", das nun zu einem der Zierstückerln der Kulturhauptstadt Graz 2003 werden soll. Die Kooperation zwischen dem Grazer Schauspielhaus und dem Teatro Avenida aus Maputo, Mosambik, kam auf Anregung der Schauspielhaus-Dramaturgin Claudia Romeder-Szevera zustande. Für das Werk selbst zeichnet der schwedische Autor Henning Mankell verantwortlich, bestens bekannt als Schöpfer des stets von nagenden Selbstzweifeln und magischen Eingebungen erfüllten Kommissars Wallander. Der Autor führt auch selbst die Regie.

Über Henning Mankell selbst ist alles, was Henning Mankell über sich bekannt geben will, bekannt, und das ist nur schillernder Staub auf Schmetterlingsflügeln. Das Innenleben des nordischen Erfolgsautors bleibt verborgen, Mankell bleibt schwierig und schweigsam. Was man über ihn zu erfahren habe, das erfahre man ohnehin aus seinen Stücken und aus seinen Büchern. Wenigstens dazu die Eckdaten:

Schwede, 1948 geboren, den größten Teil des Jahres in Maputo lebend. Theatermacher, die Bühne in der Hauptstadt Mosambiks organisatorisch wie finanziell seit vielen Jahren kräftig unterstützend. Autor, einen Bestseller nach dem anderen produzierend, dabei nie ein gewisses Niveau verlassend. Extrem medienscheu.

Mankells letztes Krimi-Werk, "Die Rückkehr des Tanzlehrers" (Zsolnay), war der vorweihnachtliche Kassenschlager des deutschsprachigen Buchhandels. Wie in jedem seiner Romane rechnet er auch hier wieder mit sezessionistischen Gesellschaftstendenzen ab, diesmal mit Rassenwahn und zeitgenössischen Nazi-Umtriebigkeiten.

Diese betonte politische Korrektheit, gegen die man nichts einzuwenden hat, die allerdings mittlerweile in etwas aufgesetzter, sehr vorhersehbarer Form konstruiert wird, kommt auch in "Butterfly Blues" mächtig zum Tragen. Es geht um afrikanische Immigrantinnen, die in Europa nach dem besseren Leben suchen, die vor den katastrophalen Zuständen ihrer Heimatländer die Flucht ergreifen, um sich im Bürokratismus ihrer Zielländer und in den Aversionen, die man den "Ausländern" entgegenbringt, zu verstricken. Das Stück schillert in verschiedenen Sprachen, die Hauptdarstellerinnen Graca Silva und Lucrécia Paco kommen aus Mosambik, ihre Kollegen sind Johannes Lang und Stephan Maaß vom Grazer Schauspielhaus.

"Die Freiheit des Schmetterlings, der ungebunden durch die grenzenlose Luft zu flattern vermag", bleibt Lebenstraum, das Überwinden der Grenzen wird vielmehr zum Überlebenskampf, der von den beiden Immigrantinnen gelegentlich mit sympathischem Optimismus und Humor gefochten wird. Das Stück hatte gestern im Grazer Schauspielhaus Premiere, eine Rezension des Theaterabends wird in der Montagsausgabe des STANDARD zu lesen sein. (ALBUM/DER STANDARD, Printausgabe, 11./12.1.2003)