Caracas - Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hat am Freitag die Entlassung von rund 1.000 Mitarbeitern des bestreikten staatlichen Ölkonzerns PDVSA bekannt gegeben. Er will damit den seit 40 Tagen andauernden Streik brechen, der das südamerikanische Land lähmt. Chavez will zur Bekämpfung der Versorgungsengpässe auch notfalls das Militär Lebensmittel beschlagnahmen lassen. Mit dem Generstreik, der am 2. Dezember begann, will die Opposition den Präsidenten zum Rücktritt zwingen.

Chavez bekräftigte am Freitag, dass die Regierung dem Druck nicht nachgeben werde. In einer im Fernsehen übertragenen Rede vor Anhängern seiner Regierung in der Stadt San Carlos sagte der frühere Fallschirmjäger und Ex-Putschist, er werde nicht zulassen, dass das Volk infolge der Streikaktionen der rechtsgerichteten Opposition verhungere. Es gebe einen Plan, um die militärische Kontrolle von Lebensmittelfabrken und -lagern zu übernehmen. "Wir mussten bereits Fleisch aus Brasilien, Lebensmittel aus Kolumbien und Reis aus der Dominikanischen Republik importieren", sagte Chavez.

Unter den rund 1.000 Entlassenen sind auch 300 Manager von Petroleos de Venezuela (PDVSA), die der Präsident bereits zuvor ihrer Posten enthoben hatte. An dem Ausstand beteiligen sich etwa 30.000 der 40.000 Beschäftigten des Ölkonzerns. Chavez bezeichnete die Streikenden als Verbrecher und Verräter. Er rief ferner die Generalstaatsanwaltschaft auf, die Streikenden zu inhaftieren.

Chavez, dessen Regierung lediglich über einen Fernsehsender verfügt, kündigte außerdem an, dass er die Berichterstattung der oppositionellen TV-Kanäle nicht mehr hinnehmen werde. "Wir werden ihre Kriegspropaganda nicht länger zulassen", sagte er an die Adresse der privaten Fernsehsender. "Entweder sie halten sich an die Verfassung und die Gesetze, oder wir werden gegen sie das Gesetz anwenden".

Dem Streik haben sich mittlerweile auch die Beschäftigten der Banken angeschlossen. Dies führte am Freitag zur Schließung zahlreicher Supermärkte. Die Kunden hätten nicht mehr bargeldlos zahlen können, sagte der Präsident der Branchenvereinigung, Nelson Da Gama. Vor dem Hintergrund des Bankenstreiks verzeichnete die Landeswährung einen dramatischen Kurssturz. Der Bolivar fiel auf ein Rekordtief. Seit Jahresbeginn verlor die Währung bereits rund zwölf Prozent an Wert. Bahnbrecher des Streiks sind transnationale Konzerne wie Mobil Oil oder Ketten wie McDonald's. (APA/AP)