Washington - In der US-Regierung gibt es nach amerikanischen Presseberichten einen heftigen Richtungsstreit über den Umgang mit Nordkorea. Die "Washington Post" berichtete am Samstag unter Berufung auf Regierungsbeamte von "dramatischen Spannungen", die die Regierungsarbeit praktisch lähmten. Enge Vertraute von Präsident George W. Bush beschrieben der "New York Times" die Haltung der Regierung als "widersprüchlich und schlecht artikuliert".

In einem Regierungslager werde die vorsichtige Annäherung an Nordkorea propagiert, in dem anderen die völlige Isolation des Regimes in Pjöngjang, schrieben die Zeitungen. "Man kommt aus einer Besprechung und hat zwölf Meinungen gehört und keinen Konsens", zitierte die "New York Times" einen hohen Regierungsbeamten.

"Wir lassen uns nicht einschüchtern", sagte Außenminister Colin Powell am Freitagabend. Die Regierung bemühe sich aber weiter um eine friedliche Lösung des Konflikts. Nordkorea nutze es möglicherweise aus, dass die USA und die Vereinten Nationen sich auf die Situation im Irak konzentrierten, sagte Vizepräsident Richard Cheney dem Fernsehsender MSNBC.

Im US-Bundesstaat New Mexico bemühte sich der frühere UN-Botschafter Bill Richardson unterdessen weiter um eine Vermittlung. Er traf dort am Samstag erneut mit nordkoreanischen UN-Diplomaten aus New York zusammen. Richardson bezeichnete die Gespräche als "offen und deutlich". Nach Angaben des Außenministeriums kam dabei zunächst nichts heraus. Die Nordkoreaner hatten um Gespräche mit Richardson gebeten, weil sie ihn von früheren Kontakten kannten. Richardson ist jetzt Gouverneur von New Mexico. Das Weiße Haus betont, dass der Demokrat mit Duldung, aber nicht im Auftrag der Regierung handele. (APA/dpa)