Rom - Die Regierung in Rom will die Italiener überzeugen, später in Pension zu gehen. Arbeitnehmer, die über das bisherige Höchstalter hinaus tätig sein wollen, sollen dafür 30 Prozent mehr Gehalt erhalten. Das ist der Eckpfeiler einer von der Regierung unter Premier Silvio Berlusconi verfassten Rentenreform, an dem Arbeits- und Wirtschaftsministerium gemeinsam feilen. Mit einer Reihe von Steuerbegünstigungen und einer Senkung der Pensionsbeiträge will das Kabinett Berlusconi die Arbeitnehmer über 60 motivieren, den Ruhestand hinauszuschieben. Ziel ist, den Druck auf die leeren Kassen der Sozialversicherung zu reduzieren

Bis zur Grenze von 65 Jahren soll laut dem Projekt die Zustimmung des Arbeitgebers nicht notwendig sein, wenn ein Arbeitnehmer weiterhin seinen Job behalten will. Das betrifft auch Frauen, für die die Altersgrenze derzeit 60 Jahre ist. Nur wer über 65 Jahre am Arbeitsplatz bleibt, so lautet der Plan, braucht künftig die Genehmigung des Arbeitgebers. Der Vorschlag, der Ende Jänner den Sozialpartnern vorgestellt wird, soll ab Februar vom Parlament beraten werden.

Mit diesen Maßnahmen hofft die Regierung, die Zahl der Beschäftigten in Italien zu steigern. Die Altersgrenze war zuletzt 1992 von 55 auf 60 Jahre für Frauen und von 60 auf 65 Jahre für Männer angehoben worden. Wer in den Ruhestand tritt, muss in Italien mindestens 37 Pensionsbeitragsjahre gezahlt haben.

Der Kampf gegen die hohen Pensionsausgaben ist ein Muss für Berlusconi. Die Pensionen verschlingen durchschnittlich fast 15 Prozent des italienischen Bruttoinlandsproduktes (BIP). In den nächsten Jahren werden sie voraussichtlich um 4,4 Prozent pro Jahr steigen. Mit einer Reihe von Maßnahmen will Berlusconi die Beschäftigungsrate von 54,5 auf 58,5 Prozent steigern. Ziel ist es, nicht nur Personen über 60 Jahren, sondern auch Frauen und Jugendlichen bessere Beschäftigungschancen einzuräumen. (APA)