Belgrad - Die Affäre um die Waffengeschäfte zwischen Belgrad und Bagdad könnte sich ausweiten. Anscheinend dürften jugoslawische Firmen größere Mengen an Gasmasken in den Irak geliefert haben. Wie am Samstag bekannt wurde, kündigt nun die Firma "Trayal", einer der größten Betriebe in der zentralserbischen Stadt Krusevac, eine Klage gegen den Staat an. Der Direktor von "Trayal", Slavisa Jovanovic, erklärte, dass die Bundesdirektion für Warenreserven, die auf den Export von militärischen Material spezialisiert ist, seiner Firma 16,5 Millionen Dollar für die Gasmaskenlieferungen in den Irak und in einige andere Staaten schuldig geblieben sei.

"Wir haben Informationen, dass diese Schuld beglichen wurde, aber wir können überhaupt nicht erfahren, wo sich das Geld befindet. Wir haben Empfehlungen von einigen Mitgliedern des Verwaltungsrates, darunter hohen Offizieren der Armee Jugoslawiens, den Staat zu klagen und das werden wir tun", wurde Jovanovic vom Belgrader Sender "B-92" zitiert. Wann genau der Export von Gasmasken erfolgt sein soll, konnte Jovanovic nicht sagen.

Bereits im Herbst waren Waffengeschäfte zwischen Belgrad und Bagdad aufgeflogen, die über die Firma "Jugoimport" abgewickelt wurden. Mitglieder des Aufsichtsrates der jugoslawischen Staatsfirma sind sowohl der serbische als auch der jugoslawische Innenminister, Dusan Mihajlovic und Zoran Zivkovic. Beide beteuern, keine Ahnung von den Waffengeschäften gehabt zu haben.

Der Belgrader Militär-Experte Aleksandar Radovic hatte vor einigen Tagen kritisiert, dass die jugoslawische Politik die Affäre um die Waffenexporte in den Irak unter den Teppich kehren wolle. Der Redakteur des Fachbulletins "Defense and Security" erklärte, dass die Waffenlieferungen eine "große Gewinnquelle für einflussreiche Generäle unter dem früheren Generalstabchef Nebojsa Pavkovic" gewesen sei. Pavkovic stand von 2000 bis Juni 2002 an der Spitze der jugoslawischen Armee und wurde nach einer bis heute mysteriösen Spionageaffäre abgesetzt. (APA)