Nablus/Ramallah - Bei Auseinandersetzungen in der Nähe des Flüchtlingslagers Askar bei Nablus im Westjordanland haben israelische Soldaten am Samstag einen 20-Jährigen erschossen. Nach Angaben von Augenzeugen bewarfen Jugendliche zunächst israelische Panzer mit Steinen. Die Armee habe daraufhin das Feuer eröffnet und den Mann tödlich getroffen. Neun weitere Menschen erlitten nach Krankenhausangaben Schussverletzungen. Ein israelischer Armeesprecher bestätigte den Vorfall. Die Soldaten hätten auf einen "Terroristen" gefeuert, der einen Molotowcocktail in der Hand gehabt habe, sagte er.

Ein Angehöriger der radikalen Palästinensergruppe Islamischer Dschihad erlag unterdessen seinen schweren Verletzungen, die er beim Hantieren mit einer selbstgebauten Bombe in seinem Haus in Gaza erlitten hatte, wie aus Krankenhauskreisen verlautete. Gemeinsam mit der radikalen Palästinensergruppe Hamas ist der Islamische Dschihad für die meisten anti-israelischen Selbstmordattentate seit Beginn der Intifada verantwortlich.

Die palästinensische Autonomiebehörde hat die Palästinenser am Samstag zur Zurückhaltung vor der Parlamentswahl in Israel aufgefordert. Die Menschen dürften sich nicht provozieren lassen, hieß es in der in Ramallah veröffentlichten Erklärung. "Die Anschläge auf Zivilpersonen schaden unserer Sache sehr." Der Schaden betreffe die öffentliche Meinung, die israelischen Friedensbefürworter und das weltweite Ansehen der Palästinenser.

Üblicherweise geht die Autonomiebehörde nicht auf Wahlen in Israel ein, die sie als innere Angelegenheit des jüdischen Staats betrachtet. Die Wahl findet am 28. Jänner statt.

Der palästinensische Minister Saeb Erakat verurteilte unterdessen das Reiseverbot, das Israel nach den Anschlägen in Tel Aviv mit 22 Toten vom vergangenen Sonntag gegen palästinensische Politiker verhängte. Damit sollen sie an der Teilnahme einer Konferenz über Reformen in der Autonomiebehörde in London gehindert werden. Der britische Premierminister Tony Blair hat den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon in einem Brief um die Aufhebung des Verbots gebeten.

Erakat sagte, er begrüße die britischen Bemühungen, aber es sei offensichtlich, dass es Sharon gelungen sei, die Konferenz zu sabotieren. Der britische Außenminister Jack Straw erklärte, Informationsminister Yasser Abed Rabbo, Planungsminister Nabil Shaath und Finanzminister Salam Fayyad würden telefonisch an der Konferenz teilnehmen, zu der am Dienstag auch Vertreter der EU, der USA, Russlands und der UNO erwartet werden. Abed Rabbo sagte in Ramallah, geplant seien zwei Sitzungen - eine am Dienstag und eine nach der Wahl in Israel. (APA/AP)