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Caracas - Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat mit einer militärischen Besetzung von Lebensmittel-Fabriken gedroht. Er werde nicht zulassen, dass "man das Volk vor Hunger sterben lässt", sagte der Linksnationalist am Freitagabend in San Carlos im südwestlichen Bundesstaat Cojedes. Er spielte dabei auf die schweren Versorgungsengpässe an, die der seit nunmehr 41 Tagen anhaltende Streik der Opposition im südamerikanischen Öl-Land verursacht. Bei der feierlichen Übergabe von Landbesitzurkunden an 47 Familien von landlosen Bauern sagte Chávez, die Unternehmer seien "Oligarchen", die das Volk "in Hunger und Elend stürzen" wollten.

Nach der Drohung von Chávez kündigte die Opposition am Samstag eine "Internationalisierung" der Proteste an. Bereits am Sonntag würden Venezolaner in der US-Hauptstadt Washington zum Weißen Haus und zum Sitz der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) marschieren, um internationale Aktionen gegen Chávez zu fordern, sagte am Samstag in Caracas der Gewerkschaftsführer Carlos Ortega. Es werde auch Aktionen in München, Paris, London, Brüssel, Miami, Madrid und anderen Städten geben. Man wolle auf der ganzen Welt gegen das autoritäre und autokratische Regime von Chávez protestieren, sagte Ortega.

Kein Benzin

Die Vorwürfe von Chávez gegen die Unternehmer wurden vom Präsidenten der Kammer der Lebensmittelhersteller (Cavidea) zurück gewiesen. Der Staatschef sei für den Lebensmittelmangel verantwortlich, sagte Rafael Alfonso. "Wir bekommen von der Regierung kein Benzin für den Transport", erklärte er.

Die Bischofskonferenz von Venezuela (CEP) rief unterdessen die Konfliktparteien auf, eine baldige Einigung zur Lösung der Krise zu erzielen, damit "das Land nicht in den Abgrund von Gewalt und Zerstörung stürzt". Das Volk müsse bei Wahlen seinen Willen bekunden dürfen, hieß es. Auch der im Konflikt vermittelnde OAS-Generalsekretär César Gavíria appellierte an beide Seiten, sich bei den Verhandlungen stärker zu bemühen. "Aber selbst mit einer Einigung wird es schwer sein, die Wirtschaft und das Land wieder aufzubauen", sagte er.

Der seit dem 2. Dezember anhaltende Ausstand, mit dem die Opposition einen Rücktritt von Chávez oder zumindest Neuwahlen erzwingen will, hat auch die venezolanische Ölindustrie weit gehend lahm gelegt. Die USA wollen sich aus Sorge vor möglichen Öl-Engpässen in den Konflikt einschalten. Eine entsprechende Initiative werde die Regierung von Präsident George W. Bush in der kommenden Woche bekannt geben, berichtete die "Washington Post" am Freitag. Erstes Ziel der internationalen Bemühungen solle ein Ende des Streiks sein. (APA/dpa)