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Frankfurt/Main - In der neu entflammten Debatte um das Klonen plädiert der amerikanische Technologie-Vordenker und frühere Präsidentenberater Ray Kurzweil für das Klonen als Möglichkeit "zur Erweiterung unserer Lebensmöglichkeiten". In einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Samstag-Ausgabe) spricht er sich zugleich jedoch gegen das Klonen von Menschen "zum gegenwärtigen Zeitpunkt" aus.

Das entscheidende Argument gegen das Klonen von Menschen sieht Kurzweil nicht zuerst in der Ethik, sondern "in der gegenwärtigen Unzuverlässigkeit der Technologie" begründet. "Die Technik der Verschmelzung eines Spenderzellkerns mit einer Eizelle durch schwache Stromstöße führt derzeit noch zu zahlreichen genetischen Fehlern (...) Ganz unabhängig von der Frage, ob die angebliche Geburt des ersten Klonbabys sich als Betrug erweist oder nicht, kann kein Zweifel bestehen, dass man vielleicht schon bald auch Menschen klonen wird (...) Wenn die Technologie erst als sicher gelten kann, werden die ethischen Barrieren sich als schwach erweisen, falls sie denn überhaupt existieren", prophezeit der Forscher. "Mit solchen Vorstellungen arrangiert sich die Gesellschaft im Schlaf."

Zur "Erweiterung der Lebensmöglichkeiten" des Menschen durch die Technik des Klonens zählt Kurzweil vor allem das "therapeutische Klonen" der eigenen Organe, die Erzeugung neuen Gewebes zum Ersatz kranker Gewebeteile und ganzer Organe oder deren Verjüngung ohne chirurgische Eingriffe. Bei Tieren gehe es um verbesserte Zuchtmethoden für Tiere mit gewünschten Eigenschaften, um beispielsweise pharmakologisch wirksame Stoffe zu produzieren.

"Eine weitere aufregende Anwendungsmöglichkeit liegt in der Rekonstruktion bedrohter oder bereits ausgestorbener Arten." "Im vergangenen Jahr haben Wissenschaftler die DNS des tasmanischen Tigers synthetisiert, der vor 75 Jahren ausgestorben ist, und sie hoffen, diese Tierart bald zu neuem Leben erwecken zu können." Dies alles werde "tiefgreifende Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlergehen des Menschen, aber auch unserer Vettern im Tierreich haben", schließt Kurzweil sein Klon-Plädoyer.

Ray Kurzweil, Jahrgang 1948, gehört zu den führenden und provokativsten Technologie-Strategen der USA. Er hat als Vorsitzender wissenschaftlich-technischer Kommissionen mehrere US-Präsidenten beraten. (APA/dpa)