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Foto: dpa/Eilmes

Salzburg - "Wir sehen die Aussichten für 2003 nicht so negativ. Und Krankbeten bringt sowieso nichts." - Peter Leißing, Geschäftsführer von Mercedes-Benz Österreich (MBÖ), hat gut reden: Während der Gesamtmarkt bei Neuzulassungen im Vorjahr um knapp sechs Prozent auf wahrscheinlich rund 277.000 Pkw eingebrochen ist, konnte MBÖ seinen Marktanteil auf einen historischen Österreich-Rekord von 4,8 Prozent relativ steigern, absolut das Ergebnis praktisch halten: 13.300 Zulassungen nach 13.506 im Jahr 2001. Da waren es noch 4,6 Prozent, im Jahr davor 3,8 Prozent gewesen. Insgesamt konnte MBÖ den Umsatz 2002 um 9,4 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro steigern.

Rechnet man die Kleinwagenmarke Smart hinzu, lag der Marktanteil sogar bei 5,3 Prozent. Nun kommt noch das Toplabel Maybach ins Spiel, was allerdings kaum eine Hand voll Kunden jährlich ausmachen werde. Die weltweite Sonderkonjunktur der Premiummarken (z.B. Mercedes, Audi, BMW) greift auch in Österreich, sie wird sich Experten zufolge nicht abschwächen. Einer aktuellen deutschen Untersuchung zufolge spart der Mensch als Letztes beim Auto.

Neuzulassungsmarkt sollte leicht steigen

2003 wird der Neuzulassungsmarkt nach Leißings Einschätzung leicht auf 285.000 Einheiten wachsen. Der Grund: Zum 1. Oktober tritt die GVO neu (Gruppenfreistellungsverordnung) in Kraft, die eine Liberalisierung des Neuwagengeschäfts in Europa bringt. Der Gebietsschutz für Importeure fällt.

Das Regelwerk sei Neuland und mache extremes Umdenken erforderlich, "aber wir sind gut vorbereitet". Die neuen Verträge mit den Händlern seien bis auf zwei oder drei Ausnahmen bereits unter Dach und Fach, rund hundert Vertragspartner umfasst das Vertriebsnetz der deutschen Nobelmarke in Österreich. Man habe nun neun Monate Zeit, sich auf die GVO-Geburt einzustellen.

Experten zufolge wird die Neuregelung den Autoherstellern einen drastischen Einbruch beim Ersatzteilgeschäft bescheren. Das sieht Leißing nicht so. Der Wettbewerb werde zwar fraglos stärker, weil ab Oktober auch Nicht-"Original"-Teile verkauft werden können. "Aber der Kunde (in dem Fall also der Mercedes-Händler; Anm.) wird die Leistungsfähigkeit und den Service unseres zentralen Ersatzteillagers mehr denn je schätzen", meint Leißing.

Nutzfahrzeuge

Sorgen bereitet Leißing, wie der gesamten Branche, der Nutzfahrzeugsektor. Seit 2000 sind hier drastische Einbrüche zu verzeichnen, im Vorjahr summierte sich das Minus bei Neuzulassungen auf rund 7,8 Prozent per Ende November. Speziell der Bereich über sechs Tonnen (Schwer-Lkw-Klasse; etwas über 7000 Fahrzeuge zuletzt) sei neuerlich um 14 Prozent abgesackt, und wenn man dazu noch sehe, wie schlecht es dem Transportgewerbe gehe, "kriegt man schon graue Haare". Hinzu hätten Überkapazitäten zu einem Preisverfall geführt, sodass das Lkw-Geschäft für alle von Verlusten geprägt sei.

Anders die Situation bei leichten Nutzfahrzeugen (Transporter) von zwei bis sechs Tonnen (zuletzt ca. 21.000 Neuzulassungen in Österreich). Hier hält sich der Rückgang in Grenzen. (Andreas Stockinger, Der Standard, Printausgabe, 13.01.2003)