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Gefährdet "im Meer von Habgier und Feigheit": Lucrecia Pacvo (li.) und Graca Silva in "Butterfly Blues" von Henning Mankell.

Foto: apa/manninger

Einen Bestsellerautor mit einem Stück zu einem brisanten Thema zu beauftragen: Kann das schief gehen? Klar doch! Henning Mankell lieferte für Graz 2003 mit "Butterfly Blues" bestenfalls szenisches Stückwerk und dilettierte als Regisseur.


Auch im Theater gilt sie, die alte Regel: Wenn du eine Botschaft hast, dann schick sie mit der Post oder per E-Mail. Denn eine Botschaft, so dramatisch auch die Verhältnisse sein mögen, auf die sie verweist, ergibt noch kein Drama. Und wenn sie anderswo zumindest szenische Spielformen erblühen lässt, dann muss man diese studieren und kann sie meist nicht einfach in andere Kontexte übertragen.

Für Graz 2003 hat der schwedische Bestsellerautor und Vater der Kommissar-Wallander-Krimis, Henning Mankell, ein Auftragswerk - Butterfly Blues - abgeliefert, das wohl Lehrstück über die alltäglichen Mechanismen der Fremdenfeindlichkeit sein will. Letztlich führt es aber nur exemplarisch vor, wie man das besser nicht macht.

Der Autor, der jeweils die Hälfte des Jahres in Mosambik lebt und dort immer wieder mit dem Teatro Avenida kooperiert - er hat aus der dort üblichen, dem Straßentheater verwandten Praxis einer direkten Kommunikation mit dem Publikum wenig gelernt. Er nabelt dieses Spiel der oft direkten Anreden und Ansprachen auf der Guckkastenbühne des Grazer Schauspielhauses nämlich von seinen Kontakten in Augenhöhe ab. Und: Er vereint als dilettierender Regisseur aufs Unglückseligste zwei Spielstile - den zweier Landestheater-Akteure mit dem zweier Schauspielerinnen aus Mosambik -, ohne sie auch nur irgendwie adäquat einzusetzen.

Den Leidensweg der beiden illegalen Immigrantinnen (Lucrécia Paco und Graca Silva) soll hier erzählt werden: ihr Überlebenskampf in einem "Meer von Habgier und Feigheit", in dem immer wieder Ausbeuter, Rassisten, Traumtänzer (allesamt dargestellt von Stefan Maaß und Johannes Lang) den ungewissen Kurs der Frauen kreuzen. Ein Leben aus dem Koffer oder richtiger: zwischen Koffern - denn die weit gehend kahl geräumte, allein von der Lichtregie strukturierte Bühne ist vor dem Hintergrund eines bunten Segels voll mit Gepäck, dessen wohl schon andere entledigt wurden.

Dazu Livemusik, viel Percussion, bei der man hofft, die Szenenfolge möge sich doch rhythmisieren, beschleunigen, entladen. Aber nein, die Landestheater-Schauspieler spielen Landestheater, und ihre afrikanischen Kolleginnen, sie retten manche pathetisch-banale Passage im Text nur damit, indem sie diesen weit gehend in anderen Sprachen deklamieren: "Du gehörst nicht hierher, nicht dorthin, wo sie dich töten werden!"

Es fragte sich eher, ob eine Inszenierung von so mangelhafter Machart ins Eröffnungsprogramm einer Kulturhauptstadt gehört. Wallander hin, Engagement für die soziale Gerechtigkeit her: Dem Theater wird damit dieser Tage in Graz kein guter Dienst erwiesen. (DER STANDARD, Printausgabe vom 13.1.2003)