Berlin - In der deutschen CDU mehren sich die kritischen Stimmen zum Irak-Kurs der Parteiführung. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gibt es eine Reihe von Bundestagsabgeordneten, die der bisherigen Linie der Union skeptisch gegenüber stehen.

Der Abgeordnete Willy Wimmer betonte, bei unklarer Beweislage könne es keine Unterstützung der Union für ein deutsches "Ja" zum Krieg gegen den Irak im UNO-Sicherheitsrat geben. Wimmer unterstützte damit seinen CSU-Kollegen Peter Gauweiler, der bei der CSU-Klausurtagung in Wildbad Kreuth letzten Donnerstag Kritik an der Unions-Position zum Irak geäußert hatte.

CDU-Parteichefin Angela Merkel widersprach den Kritikern und plädierte für eine deutsche Unterstützung aller UNO-Maßnahmen. Merkel sagte am Sonntag im Hessischen Rundfunk: "Wir werden alle UNO-Maßnahmen unterstützen. Wenn Deutschland den Vorsitz im UNO-Sicherheitsrat übernimmt, dann wird Deutschland den Beitrag leisten, um den es gebeten wird." Auch Unions-Fraktionsvizechef Wolfgang Schäuble sprach mit Blick auf Gauweiler von einer Einzelmeinung. Die Position von CDU und CSU "war immer völlig klar", sagte Schäuble im NDR. Der ostdeutsche CDU-Politiker Rainer Eppelmann meinte gegenüber dem "Spiegel", man könne nicht ohne Beweise "über den Irak herfallen".

Der Verkehrsminister und Ost-Beauftragte der Regierung, Manfred Stolpe, warnte unterdessen Bundeskanzler Gerhard Schröder (beide SPD) davor, von einem "Nein" Deutschlands zu einem Irak-Krieg abzurücken. Stolpe sagte dem Nachrichtenmagazin "Spiegel", bei einer Zustimmung zu einem Krieg "wäre der Schaden für die Glaubwürdigkeit der SPD und des Bundeskanzlers kaum zu ermessen". Grünen-Fraktionschefin Krista Sager bekräftigte am Samstag in Wörlitz am Rande der Klausurtagung ihrer Partei, es gebe innerhalb der Koalition "kein Wackeln" in der Ablehnung einer deutschen Beteiligung. (APA/AFP)