Immer mehr US-Soldaten werden an den persischen Golf verlegt. Dennoch sind dort weniger Truppen stationiert als 1991. Beim ersten Golfkrieg trat die internationale Allianz mit 700.000 Mann gegen Saddam Hussein an.

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Grafik: Der Standard

Washington/Wien - Zweimal hat Donald Rumsfeld im Lauf des Wochenendes seine Unterschrift unter eine Verlegungsorder gesetzt und damit den Aufmarsch der US-Armee am Golf erheblich beschleunigt. Innerhalb von 48 Stunden befahl der US-Verteidigungsminister die Entsendung von weiteren 62.000 Marineinfanteristen, Soldaten der Air Force und Bodentruppen. Rund 60.000 US-Soldaten stehen bereits in Basen in Kuwait, Katar, Saudi-Arabien, Bahrain und Oman. Ende Jänner oder spätestens Mitte Februar, so heißt es, würde die Streitmacht der USA für einen neuerlichen Feldzug gegen den Irak auf 150.000 Soldaten angewachsen sein.

Schleichendes Tempo

Anders als im Golfkrieg 1991, als Washington innerhalb von fünf Monaten eine Koalition von zwei Dutzend Staaten und rund 700.000 Soldaten um sich sammelte, ging der Aufmarsch der US-Truppen am Golf bisher eher schleichend von statten. Schon im November 2001, einen Monat nach den Terroranschlägen in den USA, richtete das US-Zentralkommando Centcom in Tampa, im Bundesstaat Florida, Führungszentralen am Persischen Golf und in Südwestasien ein.

Washington organisierte damals zunächst den Luftkrieg gegen das Taliban-Regime in Afghanistan, doch die Al-Udeid-Basis in Katar rückte bald in den Mittelpunkt der Vorbereitungen für einen neuen Feldzug - dieses Mal gegen den Irak. 3.300 Soldaten waren im Lauf des Sommers 2002 bald auf der Basis stationiert und richteten die Gefechtszentrale ein. Vergangene Woche zog der Planungsstab von Centcom offiziell nach Katar um.

Bleibt es bei den verlautbarten Planungen des Pentagon, dann hat Washington nun nach dem Marschbefehl vor Weihnachten (25.000 Soldaten) die zweite Phase der Mobilisierung eingeleitet. Eine dritte, noch größere dürfte kurz vor Beginn des Militärschlags kommen. Insgesamt wollen die USA allein angeblich 250.000 Soldaten am Golf und in der Türkei einsetzen. Ihr engster und "größter" Partner Großbritannien will sich mit 8000 Soldaten beteiligen. Mit dem Auslaufen des Flugzeugträgers "Ark Royal" in die Golfregion startete die britische Marine am Samstag die Entsendung ihres größten Flottenverbandes seit 20 Jahren.

Gemessen am Tempo und der Öffentlichkeit erscheint der Aufmarsch 1990/91 dagegen heute als eine Operation im Schnellverfahren. Als der Irak am 2. August 1990 Kuwait besetzte, dauerte es kaum zwei Wochen, bis sich eine kleine Streitmacht von 30.000 Amerikanern, 5.000 Ägyptern und 1000 Marokkanern in der Region sammelte. Zunächst ging es noch darum, das Handelsembargo gegen den Irak, das der UN-Sicherheitsrat verhängt hatte, militärisch zu erzwingen.

Mitte September 1990 erreichte der Umfang der amerikanischen Truppen bereits 140.000 Soldaten. Washington konnte sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf Zusagen von 20 Staaten verlassen. Noch im selben Monat wuchs die gesamte Armada auf eine halbe Million Soldaten. Auf der Gegenseite standen offiziell 990.000 Iraker. Am 17. Jänner 1991 begann der Krieg und endete innerhalb von 43 Tagen. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2003)