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Armee setzt Tränengas gegen Demonstranten ein

apa/Juan Barreto

Caracas - Mit Tränengas hat die venezolanische Armee am Sonntag mehrere zehntausend Demonstranten von einem Protestmarsch zum größten Militärstützpunkt des Landes abgehalten. Bei dem Einsatz vor dem Standort Tiuna in Caracas wurde ein einheimischer Fotoreporter von einem Gummigeschoss am Kopf verletzt; 18 Demonstranten mussten wegen Atembeschwerden ärztlich behandelt werden. Hunderte Soldaten blockierten den mit Stacheldraht abgesperrten Platz Los Proceres, wo bei gewaltsamen Ausschreitungen vor zwei Wochen zwei Demonstranten getötet worden waren.

Präsident Hugo Chavez, dessen Rücktritt die Demonstranten und die am landesweiten Generalstreik Beteiligten seit sechs Wochen fordern, entließ am Wochenende 2.000 Beschäftigte des staatlichen Erdölkonzerns Petroleos de Venezuela (PDVSA). Der Präsident bezeichnete seine Gegner in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache als Faschisten und drohte den größten Fernseh- und Radioanstalten des Landes mit der Entziehung ihrer Sendelizenzen. Die Sender strahlen aus Protest gegen Chavez' Vorgehen gegen die Medien keine Werbespots mehr aus mit Ausnahme der Streikaufrufe der Opposition. Chavez erklärte außerdem, er habe die Armee angewiesen, sämtliche Guthaben bei Banken abzuheben, die sich an dem Streik beteiligten.

Die Demonstranten vor dem Militärstützpunkt beschimpften die Soldaten am Sonntag als Feiglinge und traten Stacheldrahtabsperrungen nieder. Sie schwenkten venezolanische Flaggen und forderten Chavez in Sprechchören zum Rücktritt auf. "Diese ganze Machtdemonstration ist absurd", sagte Henrique Capriles, der oppositionelle Bürgermeister eines östlichen Stadtteils von Caracas. "Die Leute haben die Nase voll davon, angegriffen und unterdrückt zu werden."

Am Samstag hatte der Präsident die Entlassung von 2.000 PDVSA-Beschäftigten angekündigt, um ihren seit mittlerweile sechs Wochen andauernden Ausstand zu brechen. Zugleich drohte er damit, dass das Militär die Kontrolle über die Lebensmittelbranche übernehmen werde. Streikenden Lehrern kündigte er Haftstrafen an. Mit dem Generalstreik, der am 2. Dezember begann, will die Opposition den Präsidenten zum Rücktritt zwingen. An dem Ausstand beteiligen sich etwa 30.000 der 40.000 PDVSA-Mitarbeiter; der Streik hat die venezolanische Ölproduktion weitgehend lahm gelegt und das Land in eine schwere Energiekrise gestürzt. (APA/AP)