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Ein Radfahrer vor einem Wahlplakat der Arbeiterpartei.

Foto: APA/ EPA/ Sven Nackstrand

Rund zehn Mandate hatte Umfragen zufolge die wochenlange Beschäftigung mit angeblichen Schiebungen bei den internen Vorwahlen und dann mit Korruptionsvorwürfen gegen Premier Ariel Sharon Israels große Regierungspartei schon gekostet. Mit dem Abflauen der großen Aufregung und der Rückkehr zu den "normalen" Themen wie Palästinenserpolitik und Sicherheit hat der Likud über das Wochenende schon rund vier Mandate zurückgewonnen, die Sozialdemokraten sind um zwei Mandate auf 20 abgerutscht. Der Abstand beträgt wieder satte zwölf Mandate.

Für die Regierungsbildung ist die jeweilige Größe der einzelnen Parteien aber nicht so wichtig. Die entscheidende Frage ist, wie stark der Block aller Rechtsfraktionen im Verhältnis zum Linksblock wird. So lebhaft die Wählerströme immer noch sein mögen, scheint der Rechtsblock doch auf einer mageren Mehrheit von 63 der 120 Sitze festzusitzen. Und das würde bedeuten, dass eine Linkskoalition unmöglich, eine Rechtskoalition zu schmal und daher die Neuauflage einer "Einheitsregierung" mit Likud und Arbeiterpartei fast unumgäng- lich wäre.

Am Montag zog allein die Tageszeitung Ma'ariv die Affäre um Sharon noch groß weiter: Cyril Kern, der reiche südafrikanische Freund, der dem Premier mit einer Eineinhalb-Millionen-Dollar-Bürgschaft aus der Patsche geholfen hatte, habe sehr wohl in Israel Geschäfte anbahnen wollen, berichtete das Blatt. Sharon hatte hingegen vergangene Woche in der Pressekonferenz, mit der er sich gegen die "niederträchtige Verleumdung" wehren wollte, mit Bestimmtheit erklärt, dass Kern "hier keine Geschäfte hat".

Bis zu den Wahlen am 28. Jänner wird die Polizei aber sicher zu keinem Ermittlungsergebnis kommen. Der Premier zieht also vorläufig den Kopf ein und wartet, bis der Sturm sich legt. Indirekte Schützenhilfe leistete ihm dabei ausgerechnet Yassir Arafat. Eine Verlautbarung des Palästinenserpräsidenten klang wie ein Aufruf, den Terror bloß aus taktischen Gründen bis zu den Wahlen zu stoppen: "Mit dem Näherrücken des israelischen Wahltermins rufen wir alle unsere Leute auf, Zurückhaltung zu üben." "Nach den Wahlen darf man wieder weitermachen", kommentierte Sharon sarkastisch, "hier sehen wir deutlich Yassir Arafats wahres Gesicht." (DER STANDARD, 14.1.2003)