Dynamische Atelieraufösung - und darüber hinaus: "(Centered)", 2002, Bleistift/Tusche auf Papier, von Bernhard Fruehwirth.

Foto: Galerie Senn

Alles andere als aufgeräumte Stimmung verbreiten die neuesten Arbeiten von Bernhard Fruehwirth, ein Künstler, der stets künstlerische Affinitäten zu jedweden psychotischen Zuständen hat. Selbst den frühen Zeichnungen von menschenleeren Innenräumen, in denen er laut Martin Hochleitner "schon vor der gegenwärtigen Realismusdiskussion in der Malerei Metarealitäten modellhaft erprobte", wohnte etwas Bedrohliches inne.

Während andere Künstler ihre Existenz durch einen Atelierbrand gefährdet sehen, inszeniert sich Fruehwirth als Brandstifter in seinem eigenen, seit zwei Jahren verlassenen Atelier, welches Hauptthema in seiner Senn-Show 2000 gewesen war. Er fackelt nicht lange und stellt dekorativ Abgebranntes wie Sessel, Eingangstüre oder Zeitschriftenregal in die Auslage, das heißt auf Englisch "All Burn Down". Zeichnungen, die Wohnungs- und andere Auflösungsprozesse quasi in die vierte Dimension katapultieren und dynamisch durcheinander wirbeln, komplettieren das hübsche und weit verzweigte Werk der Zerstörung, welche eigentlich eine Art Wiederaufbau ist. Obwohl scheinbar so privat, kann jeder dafür entflammen, mehr oder weniger. (dok, DER STANDARD, Printausgabe vom 13.1 2003)