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An den WC´s teilweise korrekt: die sprachliche Gegenüberstellung von Damen und Herren oder Frauen und Männern.
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Warum ich nichts mehr HERRlich finde? Das hängt nicht nur mit der vorgestellten Potenzierung des HERRn zusammen. Es erinnert schauderlich an HERRschaft, in der ja der HERR steckt, von denen, den HERREN, wird sie schließlich auch ausgeübt. Darum kann ich auch der HERRin rein gar nichts abgewinnen. Ein abgeleitetes Kunstwort, wenigstens ohne tatsächliche Ausübung derselben.

Tja, was ist dann eigentlich das Gegenteil bzw. das gegengeschlechtliche Pendant zum HERRn? Im allgemeinen Sprachgebrauch heißt es HERR und FRAU - von konservativen PolitikerInnen oft "Herr und Frau Österreicher" genannt - was eigentlich unkorrekt ist. Nicht nur der Dualismus - müsste doch MANN und FRAU heißen, oder? - sondern auch die Bezeichnung "Frau Österreicher", der fehlt ja die weibliche Form des "in". Dies wiederum nennen die SprachreformverweigerInnen "Verdoppelung": eine "Frau Österreicherin" wäre denjenigen, die in der Sprachgebarung kein Politikum sehen, schlicht und einfach zu viel.

Dann gibt es noch die DAME. Ein nahezu totes Wort. Der Duden übersetzt es mit "vornehme Frau". Und etymologisch leitet es sich von "domina" ab, was wiederum "Hausherrin" bedeutet, womit wir wieder bei der HERRin angelangt sind. Also nein, die wollen wir nicht. Der Haken bei der Dame ist, dass davon auch "dämlich" abgeleitet wurde. Nicht ohne herrschaftliche Motivation, versteht sich. Denn die Wortwurzel "dam" bedeutete ursprünglich Blut und erfuhr ihre Diffamierung mit jener des weiblichen Zyklus. Da sind wir schon lieber FRAUEN. Vor allem, wenn wir wissen, dass die älteste Bezeichnung von der Göttin Freyja stammt.

Und wie schaut es mit dem MANN aus? Nicht nur der etymologische Ursprung des Wortes ("man" aus "manon" mhd., ahd, as) ist gleichbedeutend mit Mensch - am deutlichsten im franz. l`homme sichtbar -, vielmehr noch erweist sich die normative Gleichsetzung von Mensch und Mann als politische Ausschließungsgeschichte für Frauen. Er ist der Mensch, die Norm. Was ist sie? Ein Beispiel: seitdem sich die Vorstellung eines politschen Subjektes im Begriff "Bürger" niedergeschlagen hat, wurde dieser rein männlich gedacht. Hier einige "Meilensteine" der "Demokratisierung" (die Liste ist endlos fortsetzbar): sowohl in der "Erkärung der Menschen- und Bürgerrechte" 1789 als auch bei den Wahlen der "Volksvertreter" in der Bürgerlichen Revolution 1848 kamen Frauen nicht vor. Die dramatische Zuspitzung des systematischen Frauenauschlusses gipfelte in der Erlangung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts im Jahr 1907, das Frauen gemeinsam mit Unmündigen und Verbrechern verwehrt worden ist. Soviel zum Bürger.

Das gleiche gilt für den Wähler. Für den Kunden. Für den Patienten. Für den Klienten... Und natürlich auch für die Bundeshymne: "Heimat bist du großer Töchter...". Man(n) stelle sich einmal vor, er wäre der Ausgeschlossene! Würde sich nirgends in sprachlicher Form wiederfinden. Wäre einfach nicht existent! Eine Null! Sprache wäre rein weiblich. Natürlich ohne dem vielumstrittenen Binnen-I. Es gäbe keine WählerInnen, lediglich Wählerinnen. Und dann sollen sich die Männer einfach mitgedacht fühlen. Basta. Fortsetzung folgt. (dabu)