Mit der zunehmenden Liberalsierung der europäischen Finanzmärkte drängen auch immer mehr ausländische Fonds auf den österreichischen Markt. Trotz Börsenflaute steigt die Anzahl der angebotenen Produkte von Jahr zu Jahr an.

Grundsätzlich werden Fonds nach dem Nettoertrag nach Abzug aller Kosten und dem Risiko beurteilt. Hohe Kosten reduzieren den Ertrag der Anleger und sichern den Banken und Fondsgesellschaften hohe Gewinne.

Fondskosten in Europa

In einer neuen Studie von Fitzrovia International, London, vom Dezember 2002 wurden die Gesamtkosten europäischer Investmentfonds berechnet. Österreichische Anleihenfonds sind mit 0,51 % Gesamtkosten die günstigsten. Zur Berechnung der Gesamtkosten (auch als Total Expense Ratio bezeichnet) werden zusätzlich zur Verwaltungsgebühr auch Fixkosten des Fonds herangezogen. Insgesamt wurden 30.800 Fonds in 11 europäischen Ländern untersucht.

Management Fee oder Verwaltungsgebühr nur ein Teil der Kosten

Fitzrovia, ein Fondsresearch Unternehmen mit Sitz in London, ist auf die Berechnung von Fondskosten spezialisiert und hat dafür eine Maßzahl entwickelt, die sogenannte "Fitzrovia TER" (TER = Total Expense Ratio bzw. Gesamtkosten).

Die Idee ist einfach. Als Gesamkosten gelten jene Kosten, die anfallen, wenn ein Fonds über eine Zeitperiode nicht gehandelt wird, sich der Aktien- oder Anleihenmarkt nicht verändert und auch keine Erträge (Zinsen, Dividenden) anfallen.

Wenn also keine Kauf- und Verkaufskosten und auch keine Erträge aus den Veranlagungen anfallen, reduziert sich der Wert des Fonds nur um die jährlichen Management Fees oder Verwaltungskosten sowie um die Fixkosten des Fonds. Management Fees und Verwaltungskosten werden zumeist auf den Fact-Sheets der Fondsgesellschaften angegeben. Fixkosten und sonstige Kosten werden zumeist weniger transparent dargestellt. Sie reduzieren jedoch auch den Gesamtertrag des Fonds.

Der Stichtag für die folgenden Daten war Oktober 2002. Die Studie wurde im Dezember 2002 veröffentlicht.

Fixkosten belasten kleine Fonds

Vor allem für Fonds mit geringem Volumen können Fixkosten zum Performanceproblem werden. Es ist ein großer Unterschied ob beispielsweise EUR 6.000 Kosten für die jährliche Prüfung des Fonds durch den Wirtschaftsprüfer einem Fonds mit EUR 3 Mio. Volumen angelastet werden (somit Belastung von 0,2 % p. a.) oder von einem Fondsvolumen von EUR 100 Mio. abgezogen werden (Belastung von 0,006 % p. a.).

e-fundresearch Geschäftsführer Albert Reiter: "Die meisten Dachfonds in Österreich weisen ein zu geringes Volumen auf. Knapp 40 % der Publikumsdachfonds hatten im vierten Quartal 2002 ein Volumen von weniger als EUR 5 Mio. und rund 60 % der Publikums-Dachfonds (ca. 200 Fonds) lagen unter EUR 10 Mio. Fondsvolumen. Sicherlich kein Volumensproblem haben die Dachfonds der großen Filial-Bankgruppen, die 1998 und 1999 aufgelegt wurden. Die Top-20 Gruppe lag im 4. Quartal 2002 bei mehr als EUR 100 Mio. und die größten 10 Fonds sogar bei mehr als EUR 200 Mio."

Größere Fonds bevorzugen

"Anleger sollten im Zweifelsfall in größere Fonds investieren. Es gibt zwar auch das Argument, dass sehr große Fonds nicht mehr genug attraktive Anlagemöglichkeiten hätten und nicht mehr flexibel genug seien - dies trifft jedoch nur für wenige internationale Flaggschiffe im Fondsmarkt zu. Österreichische Fonds müssen mit diesem Problem nicht kämpfen" betont Albert Reiter, e-fundresearch Geschäftsführer.

Fitzrovia: Österreichs Anleihenfonds mit 0,51 % am günstigsten

Die Analyse von Fitzrovia reiht Österreichs Anleihenfonds mit durchschnittlich 0,51 % Gesamtkosten p. a. als die günstigsten in Europa. Diese Daten beziehen sich auf Anleihenfonds, die in Österreich aufgelegt wurden (d. h. von österreichischen KAGs). Auch die folgenden Daten aus anderen Ländern beziehen sich jeweils auf das Fondsdomizil.

Schwedische Anleihenfonds liegen mit 0,58 % an zweiter Position, gefolgt von belgischen (0,71 %) und deutschen Anleihenfonds (0,74 %).

Am obersten Ende der Kostenskala liegen spanische Anleihenfonds mit 1,47 % und italienische Anleihenfonds mit 1,26 %.

Österreichische Anleihenfonds mit Kostenvorteil gegenüber ausländischer Konkurrenz

Für März dieses Jahres wird die steuerlichen Gleichstellung der inländischen Anleihenfonds mit ausländischen Konkurrenzprodukten erwartet (Verfassungsgerichtshof-Entscheidung aus 2002).

Eine Reihe von ausländischen Fondsgesellschaften wird neue Produkte in Österreich zum Vertrieb anmelden. Der Wettbewerb wird zunehmen und vor allem über den Faktor Gesamtertrag und Performance ausgetragen. Bei Anleihenfonds spielt jedoch der Kostenfaktor eine wichtige Rolle. Österreichische Anleihenfonds sind auf Basis der Fitzrovia Studie im Vorteil.

Aktienfonds: Belgische Aktienfonds am günstigsten

Bei aktiv verwalteten Aktienfonds ergibt sich folgendes Bild: Belgien (0,93 %) vor Deutschland (1,02 %) und Frankreich (1,23 %). Österreichische Fonds liegen hier mit 1,46 % im Mittelfeld.

Die teuersten Fonds sind wiederum die spanischen Aktienfonds mit einer Gesamtkostenbelastung von satten 2,12 %, gefolgt von Italien mit 1,86 % und Luxembourg mit 1,67 %.

Deutsche Indexfonds kosten weniger als ein Drittel der italienischen Indexfonds

Mit 0,59 % liegen deutsche Indexfonds am untersten Ende der Skala. Die Kosten österreichischer Indexfonds wurden mit 1,11 % angegeben. Dies bedeutet wieder ein Platz im Mittelfeld auf Position 6. Für italienische Indexfonds ergab die Studie einen außerordentlich hohen Wert von 2,19 %, in dieser Kategorie weit vor Spanien mit 1,57 %.

Die unterschiedlichen Kostenniveaus innerhalb Europas zeigen das Liberalisierungs- und Harmonisierungspotenzial innerhalb Europas auf.

Quelle: Fitzrovia International plc, London