Belgrad/Sarajewo - Die bosnisch-serbische Firma Orao in Bijeljina, die sich der Verletzung des UNO-Waffenembargos gegen den Irak schuldig gemacht hat, schickte noch im September 2002 Militärausrüstung nach Bagdad. Die erste Lieferung sei am 15. Mai 2001 erfolgt, berichtet die Belgrader Tageszeitung "Glas javnosti" am Montag unter Berufung auf einen Bericht der bosnisch-serbischen Behörden über die Waffengeschäfte mit dem Irak. Dieser Bericht war Ende Dezember dem Präsidium Bosnien-Herzegowinas sowie den höchsten internationalen Vertretern in Bosnien zugestellt worden.

Die Waffenaffäre war im Oktober 2002 aufgeflogen. Orao wickelte seine Waffengeschäfte mit dem Irak demnach im Rahmen eines Geheimprojektes unter dem Codenamen "Zora" (Dämmerung) über die Belgrader Staatsfirma Jugoimport-SDPR ab. Die ersten Kontakte zwischen Vertretern der bosnisch-serbischen Firma und dem irakischen Verteidigungsministerium waren allerdings bereits im Jahre 1997 hergestellt worden.

Eine konkrete Vereinbarung, die auch Lieferungen von Ersatzteilen für die irakische Luftwaffe umfasste, war zwischen der Belgrader Firma und dem Irak am 14. März 2001 abgeschlossen worden - nach dem Sturz des früheren jugoslawischen Staatspräsidenten Slobodan Milosevic. Der Unterzeichnung des Abkommens war der Besuch einer irakischen Militärdelegation vom 11. bis zum 18. Juni 2000 in Serbien und in der Republika Srpska vorausgegangen.

Aus dem Bericht der bosnbisch-serbischen Behörden geht hervor, dass 36 Mitarbeiter der bosnisch-serbischen Firma jeweils zwei Monate lang im Irak die Ausstattung der Luftwaffe prüften und bestimmte Reparaturen vornahmen. Die notwendigen Ersatzteile waren von Orao geliefert worden. Durch bosnisch-serbische Experten war auch die Ausbildung des irakischen Personals vorgenommen worden.

Laut Bericht begegneten die Orao-Mitarbeiter dabei auch russischen, ukrainischen, tschechischen und slowakischen Kollegen. Im Irak soll sich zu jener Zeit auch eine Delegation der bosniakisch-kroatischen Militärfirma in Novi Travnik aufgehalten haben. Demnach wurden zwischen 1998 und 2002 über die Belgrader Staatsfirma auch die Zusammenarbeit zweier weiterer bosnisch-serbischer Betriebe mit dem Irak abgewickelt.

Die jugoslawische Regierung hatte nach dem Auffliegen der Waffengeschäfte den Direktor der Belgrader Firma, einen pensionierten General, abgesetzt. Mitglieder des Jugoimport-Verwaltungsausschusses, die Innenminister Jugoslawiens und Serbiens, Zoran Zivkovic und Dusan Mihajlovic, behaupteten jedoch, von den Waffengeschäften mit dem Irak keine Ahnung gehabt zu haben. (APA)