Die Verteilung von Musik über Internet-Tauschbörsen ist Diebstahl geistigen Eigentums, ein Eingriff in Eigentumsrechte und kein Kavaliersdelikt. Dass sich die Musikindustrie dagegen wehrt, ist nicht nur in ihrem eigenen Interesse, sondern auch in dem der Konsumenten. Denn ohne Geld "ka Musi" - eine Weisheit, die nicht erst seit dem Internet-Zeitalter bekannt ist.

Eine grobe Zumutung

Wie sich die Plattenhersteller allerdings wehren, ist eine grobe Zumutung: Statt Augenmaß und neuer Technologien gibt es einen massiven Eingriff in die Rechte der Konsumenten. Sony, Emi und Kollegen bestimmen, mit welchen Geräten und in welcher technischen Form die Musik konsumiert werden darf. Und da wird nicht zimperlich vorgegangen: CDs, die vor lauter unausgereiftem Kopierschutz auch in CD-Playern ohne Kopiermöglichkeit, in Autoanlagen und DVD-Playern nicht mehr abgespielt werden können - das bestraft nicht diejenigen, die MP3s rechtswidrig aus dem Internet herunterladen, sondern die, die so altmodisch sind und für Musik noch bezahlen.

Wer sich von Sony einen MP3-Player gekauft hat, muss sich fragen, wo er die dazugehörigen MP3-Songs herbekommen soll, wenn nicht aus dem (illegalen) Internet: Denn kauft er legal eine Sony-CD, kann er sie nicht mehr abspielen und zu MP3s konvertieren. Dabei gibt es bereits Gerichtsurteile, die dem Konsumenten das Recht zubilligen, die von ihm gekaufte Musik in der ihm genehmen Form konsumieren zu können. Im Klartext: Ob die CD nun auf einem CD-, DVD- oder MP3-Player gehört wird, sollte der Endverbraucher entscheiden, der dafür auch bezahlt hat, und nicht ein Musikkonzern. Diesen genügt es aber, trotz Umsatzrückgängen technische Probleme höchst arrogant auf dem Rücken der zahlenden Konsumenten zu lösen. (DER STANDARD PRINTAUSGABE, 13.1.2003)