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Der "Verein der Freunde des Jörg Haider" stößt bei Parteichef Haupt auf Ablehnung

montage: derStandard.at (fotos: reuters)

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Vereinsgründer Harald Fischl, Haider (zum Vergrößern)

Foto: APA/Techt

Wien - FPÖ-Obmann Herbert Haupt hält den "Verein der Freunde des Jörg Haider" für keine gute Sache. Im Radio-"Mittagsjournal" des ORF am Montag sagte Haupt, er werde dem Verein nicht beitreten. Es handle sich um die "Gründung eines Proponentenkomitees, wie es in Österreich Legionen" davon gebe. Und jene Proponentenkomitees, die in Wahlkampfzeiten an die Öffentlichkeit treten, "verschwinden dann wieder im Nirwana der Unbedeutendheit", so Haupt.

Darauf angesprochen, dass mit diesem "Verein der Freunde des Jörg Haider" die Chancen für eine mögliche Regierungsbeteiligung der FPÖ geschwächt werden sollen, meinte Haupt: "Diese Kritiker kommen aus jenen Lagern, die auch hier mit der Regierungsbildung keine große Freude haben und auch mit der Fortsetzung der Sanierungsgemeinschaft nicht. Es ist legitim, dass rot und grün und jene in der ÖVP, die sich für eine Große Koalition stark machen, hier jeden Grund nutzen, um die FPÖ madig zu machen."

Auch Böhmdorfer dagegen

Auch seine alten Freunde halten nichts von der Gründung des "Vereins der Freunde von Jörg Haider". Diese Initiative sei "überflüssig", erklärte der langjährige Weggefährte des Kärntner Landeshauptmanns, Justizminister Dieter Böhmdorfer in einer Aussendung: "Ich brauche meine Freundschaft und Loyalität nicht amtlich - mittels Vereinsstatut bestätigen lassen". "Freundschaftsbeweise per Vereinsstatuten" in dieser Form seien wohl mehr geeignet, "Schaden als Nutzen für Jörg Haider herbeizuführen. Der Verein fördere "zweifellos" mehr die Spaltung der FPÖ als sie zu verhindern.

Windholz begeistert

Niederösterreichs FP-Chef Landesrat Ernest Windholz begrüßt die Initiative, die er voll unterstützen will. Er werde dem "Verein der Freunde des Jörg Haider" beitreten, sagte Windholz.

Haider habe für die Republik "wahnsinnig viel geleistet", die Freiheitlichen hätten mit seiner Politik "alle Rekorde gebrochen", erläuterte der Landesparteiobmann. Er verwies weiters darauf, dass die Freiheitlichen insbesondere in Niederösterreich unter der Ägide des ehemaligen Parteichefs reüssiert und einen Sitz in der Landesregierung erobert hätten.

Fischl unbeeindruckt von Kritik

Völlig unbeeindruckt zeigt sich der Chef des Vereins der Freunde Jörg Haiders, Harald Fischl, von der Kritik der Parteispitze an seiner Initiative: "Wir brauchen so einen Verein", erklärte er am Montag. Auch sei das Interesse der Funktionäre an einer Mitgliedschaft im Verein groß: "Es schaut sehr sehr gut aus. Es gibt eine Riesenresonanz in unsere Richtung." Überdies sei Altparteichef Haider voll über die Initiative informiert: "Selbstverständlich weiß er es. Wir haben ihn gefragt, ob wir das tun können und er hat uns das gestattet."

Stadler: Wir stehen jedem offen

Für Volksanwalt Ewald Stadler ist der "Verein der Freunde Jörg Haiders" eine "Verstärkung" des freiheitlichen Lagers. Auch der Kärntner Landeshauptmann selbst sehe dies so, erklärte der Mitinitiator des Haider-Fanclubs Montag Nachmittag: "Ich hätte das nie gegen seinen Willen gemacht." Die Kritik der Parteispitze am Verein sieht Stadler "gelassen". Über die Motive der Skeptiker wollte er nicht spekulieren: "Ich bin kein Motivforscher."

Keinesfalls werde diese Kritik etwas an der Arbeit des Vereins ändern, betonte der niederösterreichische Parteivize: "Warum soll mich das behindern? Wir stehen jedem offen." Obwohl der Verein keine aktive Werbung betreibe, gebe es "unglaublich viele Interessensmeldungen". Vor allem einfache Bürger seien es, die den Wunsch äußerten, dass die FPÖ weiter die Ziele Haiders verfolge.

Als Motiv für die Gründung des Vereins nannte Stadler neuerlich den "unglaublichen Haider-Kannibalismus" von Ende des vergangenen Jahres. Für ihn sei es inakzeptabel gewesen, dass der "verdienteste Mann" kommentarlos von "den anderen" dem Kannibalismus überlassen worden sei.

Prinzhorn: Freunde brauchen keinen Verein

Eine Mittelposition hat sich der zuletzt bei den Freiheitlichen an Macht gewinnende Vize-Chef Thomas Prinzhorn gesucht: "Warum Freunde einen Verein brauchen, weiß ich nicht. Aber es bleibt jedem unbenommen, diesen zu gründen".

Was der Geehrte selbst von der Initiative hält, blieb angesichts des andauernden Haider-Urlaubs weiter Spekulationen überlassen.

Laut Strutz Gründung nicht mit Haider akkordiert

Die Gründung des "Verein der Freunde des Jörg Haider" sei mit dem Kärntner Landeshauptmann nicht akkordiert worden. Das erklärte am Montagnachmittag der Kärntner FPÖ-Obmann Martin Strutz. Vereinsgründer Ewald Stadler und Harald Fischl hatten erklärt, ihre Initiative sei mit Haider abgesprochen.

"Es gibt nur eine FPÖ", betonte Strutz, Spaltungs- oder Destabilisierungstendenzen müssten vermieden werden, so der Landesobmann. Haider sei es "ein großes Anliegen, dass alle freiheitlichen Kräfte in einer schwierigen Situation an einem Strang ziehen, und zwar in die selbe Richtung". Es sei zwar jedem in Österreich freigestellt, einen Verein zu gründen, schließlich herrsche Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Ein Auseinanderdividieren der freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft dürfe es jedoch nicht geben, sagte Strutz.

(APA)