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ÖAAB-Obmann Werner Fasslabend: "Die Verantwortung des Einzelnen stärker in den Mittelpunkt rücken"

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Wien - Der Obmann des ÖVP- Arbeitnehmerbundes ÖAAB, Werner Fasslabend, bezeichnet die Gesundheitsreform als einen der drei Kernbereiche, in denen sein Bund die Politik der nächsten Regierung prägen will: "Die Gesundheitspolitik wird künftig ein ganz zentraler Politikbereich, nicht einer, wo man am Ende der Verhandlungen sagt, so an 27. Stelle: Wer wird die Gesundheitsagenden wahrnehmen? Das kann’s nicht sein." Im STANDARD-Gespräch mag Fassslabend das zwar nicht als persönlichen Anspruch auf das Sozial- und Gesundheitsministerium verstanden wissen - wohl aber müssten die Vorschläge der ÖVP-Arbeitnehmer zu Gesundheit, Pensionssicherung und Arbeitsmarktbelebung in das Regierungsprogramm einfließen.

Ein konkreter Ansatz: "Wir wollen die Verantwortung des Einzelnen stärker in den Mittelpunkt rücken. Wir denken ganz konkret: Wenn jemand regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung geht, dann hat er - wenn verfügbar - Anspruch auf ein Zimmer einer besseren Kategorie, wenn er doch einmal ins Spital muss." Dies könnte organisiert werden wie Bonussysteme von Fluglinien: Wer sich als Gesunder regelmäßig untersuchen lässt, sammelt damit "Meilen" für ein Upgrade auf die Sonderklasse, die sonst nur Privatpatienten offen steht.

Hintergrund dieses Vorschlags: Die von Bruno Kreisky und Ingrid Leodolter 1974 eingeführte Gesundenuntersuchung wird nur von zehn Prozent der Österreicher tatsächlich in Anspruch genommen. Früherkennung von Krankheiten würde aber ein Vielfaches an Heilungskosten sparen.

Weitere ÖAAB-Vorschläge betreffen eine Umstruktuierung des Spitalswesens: "Die Grundversorgungsmentalität ist überholt - so entwickelt sich ja auch nirgendwo Spitzenleistung. Es kann nicht sein, dass in jedem Spital Chirurgie angeboten wird, aber das Geld für Orthopädie oder Onkologie fehlt." Zwischen verschiedenen Spitälern, zwischen Bund und Ländern, zwischen Praktikern und Fachärzten müsse es einen völlig neuen Ausgleich geben - auch Hauptverbandspräsident Martin Gleitsmann hat am Montag die Schließung kleiner Spitäler gefordert. Fasslabend zweifelt daran, dass die SPÖ dazu konkret bereit ist: "Ich weiß nicht, wie stark da die Bereitschaft ist, über ein allgemeines Reformbekenntnis hinauszugehen. Da geht es ja um viel Geld. Und solange bei jeder Maßnahme reflexartig als Erstes ,Pfui! Sozialabbau!‘ gerufen wird, geht’s natürlich nicht."

Wichtig ist Fasslabend auch eine flexiblere Beschäftigung in Pflegeberufen (wo im Karriereverlauf Arbeits- und Fortbildungsphasen wechseln sollten) und eine Entlastung älterer Beschäftigter bei den Lohnnebenkosten. Bisher sieht die ÖVP vor, dass die Arbeitskosten bei Beschäftigten ab 60 um zehn Prozent gesenkt werden, Fasslabend will mit der Kostensenkung schon im Alter von 50 Jahren einschleifend ansetzen. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2003)