Voraussichtlich ab Februar werden in Berlin alle bundesweiten Programme nur noch digital zu empfangen sein - inklusive jener der öffentlich-rechtlichen Anstalten ARD und ZDF. Ohne Anschaffung eines 200 Euro teuren Decoders bleibt die Mattscheibe dann für rund sieben Prozent aller TV-Konsumenten - nämlich jene weder über Kabel noch Satellitenschüssel verfügende Gruppe, schwarz.

In Deutschland ist die Umstellung zu digitalem Fernsehen somit längst im Gang, während diese hierzulande noch in den Kinderschuhen steckt. Wenn in Berlin schon seit Wochen keine analogen Privatprogramme mehr laufen werden, soll in Graz gerade erst ein Testbetrieb beginnen. Als Starttermin nahmen sich die Betreiber ORF, Siemens und die Rundfunk- und Telekomregulierungsgesellschaft RTR den 1. April vor. Realistisch gilt, wie berichtet, die erste Jahreshälfte 2003. Im Umlauf sind 500 Gratisdecoder, die digitalen Programme kommen zusätzlich. Der völlige Umstieg wird freilich noch Jahre brauchen.

Für Österreich optimistisch

Hans Hege, Direktor der Medienanstalt Berlin-Brandenburg ist Dienstag anlässlich einer Veranstaltung der Digitalen Plattform Austria zu Besuch in Wien. Im Gespräch mit dem STANDARD gibt er sich auch für Österreich optimistisch: "Man braucht nicht in jedem Alpental gleich 30 Fernsehprogramme", schwächt er den Nachteil digitalen Fernsehens ab: Zwar würden mobile Dienste, wie zum Beispiel Fernsehübertragungen am Handy möglich - auf etwa sieben bis zehn Programme müssten Decoder-Besitzer freilich verzichten. Klar sei jedoch: "Wer mehr fernsehen will, ist mit Kabel und Satellit besser aufgehoben."

"Überraschend positiv"

Besonders in Ballungsräumen sei digitales Fernsehen mit Zusatzdiensten aber sehr wohl konkurrenzfähig, glaubt Hege, "am Land eher nicht". Die medialen Angebote - öffentlich-rechtlich und Kabelfernsehen - hält er mit Österreich durchaus für vergleichbar. Hierzulande habe man wahrscheinlich das größere Problem, Synergien zwischen ORF, heimischen und ausländischen Privaten und darüber hinaus mobilen Betreibern zu finden: "Allein mit öffentlich-rechtlichen Sendern umsteigen wird nicht gehen." Ebenfalls unumgänglich sei die völlige Abschaltung analogen Fernsehens: "Der schwierigste Diskussionspunkt. Niemand gibt gerne etwas auf."

In Berlin seien die Reaktionen jedenfalls "überraschend positiv", beteuert Hans Hege. Letztlich sei es nämlich eine Entscheidung des Verbrauchers: "Das wird in Wien nicht anders sein als in Berlin." (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe vom 14.1.2003)