Während die Kriegsvorbereitungen der USA am Persischen Golf auf Hochtouren laufen, richten die Ungarn ihren Blick auf den Luftwaffenstützpunkt Taszár im Südwesten des Landes. Die Basis war Ende 1995 vom US-Militär übernommen worden und fungierte seitdem als logistisches Drehkreuz für die US-Kontingente im Rahmen diverser Befriedungsaktionen auf dem Balkan.

Ab dem 25. Jänner soll nun Taszár zum Ausbildungslager für irakische Hilfstruppen werden, die bei einer künf- tigen US-Invasion als Ver- bindungskader, Ordnungskräfte und Dolmetscher dienen sollen.

3000 Männer, die von der irakischen Exilopposition benannt werden, sollen in zwei Durchgängen zu je drei Monaten auf ihre Rolle in der Alt-Heimat vorbereitet werden. Eine Vorhut von 300 US-Quartiermachern und Militärpolizisten ist schon in Taszár eingetroffen. Rund 500 ungarische Zivilbedienstete wurden unter Vertrag genommen.

Die sozialistisch-liberale Regierung hatte der Nutzung der US-Basis zugestimmt, um als Nato-Partner von weiteren Verpflichtungen bei der drohenden Irakinvasion entbunden zu werden.

Ungarn ist nämlich seit 1999 Mitglied der Allianz, und in Washington war mit Befremden aufgenommen worden, dass Budapest - unter der konservativen Vorgänger-Regierung von Viktor Orbán - als einziger Bündnispartner (außer dem militärlosen Island) nicht einmal ein symbolisches Kontingent für die internationale Afghanistan-Intervention bereitgestellt hatte. Die neue Regierung unter Péter Medgyessy zog auch hier nach und wird ein Sanitätskontingent entsenden.

In Taszár und der nahen Komitatshauptstadt Kaposvár werden die Aktivitäten mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Zum einen freut man sich über die Arbeitsmöglichkeiten für die örtlichen Handwerker. Zum anderen machen sich diffuse Ängste über mögliche terroristische Vergeltungsschläge des Bagdader Regimes breit. (DER Standard/Printausgabe, 14.1.2003)