Graz - Migration und Integration sind in jedem Wahlkampf im vom UNHCR als "Stadt der Menschenrechte" ausgezeichneten Graz ein Thema. Die Grazer Flüchtlings- bzw. Migrantnnen-Organisationen Danaida, Isop, Omega und Zebra, fordern unter anderem eine Antidiskriminierungsstelle, eine Integrationsstadträtin - nach Wiener Vorbild -, die Öffnung von Gemeindewohnungen und das kommunale Wahlrecht für Ausländer. Nun fragten die vier NGOs die Grazer Spitzenkandidaten nach Integrationskonzepten.

Für ein Wahlrecht auf kommunaler Ebene sind VP-Finanzstadtrat Siegfried Nagl ("mit Einschränkungen") und Grünen-Spitzenkandidatin Sigi Binder ("auch für nicht EU-Ausländer") wie auch Wohnungsstadtrat Ernest Kaltenegger (KP), "wenn Graz Hauptwohnsitz ist". Peter Weinmeister (FP) sieht "Zuzug in allen Bereichen als Nachteil", spricht von "Humanitätsduselei für Störenfriede" und bekräftigt die Haltung seiner Partei gegenüber Afrikanern, die in Graz leben: "Schwarze und Drogen lassen sich nicht trennen."

Für die uneingeschränkte, gleichberechtigte Öffnung der Gemeindewohnungen für alle in Graz lebenden Menschen sind nur die Grünen. Binder und Kaltenegger befürworten die Installierung einer Antidiskriminierungsstelle, wobei Binder diese nicht nur für Migranten, sondern auch für andere Formen von Diskriminierungen fordert. Kaltenegger betont, dass eine solche Stelle auch eine gesetzliche Handhabe brauche.

Nagl, der sich "für mehr AusländerInnen in Graz" ausspricht, will persönlich mit rassistisch agierenden Lokalbesitzern sprechen. Der SP-Spitzenkandidat Walter Ferk blieb alle Antworten schuldig, wie Zebra-Geschäftsführerin Edith Glanzer bedauert: "Wir konnten keinen Termin mit ihm bekommen." (cms/DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2003)