Das System der sozialen Krankenversicherung in Österreich ist vom Grundsatz der Solidarität geprägt. Innerhalb der Versichertengemeinschaft hat jeder Anspruch auf die notwendigen Gesundheitsleistungen und trägt nach seiner finanziellen Leistungsfähigkeit zur Mittelaufbringung bei. Die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft trägt diesem Grundsatz voll Rechnung und ist dennoch der einzige Träger, der in der Krankenversicherung einen positiven Rechnungsabschluss erzielt.

Dies wird einerseits durch das nachfragesteuernde Element des Kostenanteils (=Selbstbehalte) und andererseits durch das duale System der Geld- und Sachleistungsberechtigung erreicht. Durch den Kostenanteil bei Inanspruchnahme der ärztlichen Hilfe mit Patientenschein kennt der Versicherte den Wert der Leistung. Soziale Schutzbedürftigkeit und sehr niedrige Einkommen werden vom Kostenanteil befreit. Versicherte, deren Einkünfte über der Höchstbeitragsgrundlage liegen, nehmen ärztliche Hilfe und Spitalpflege als Privatpatient in Anspruch und erhalten dafür Vergütungen bis zu 80 Prozent ihrer Ausgaben.

Dieses System geht somit auf die individuellen Bedürfnisse und wirtschaftlichen Verhältnisse der Versicherten ein und trägt gleichzeitig zur Kostenwahrheit bei. Dass dieses erprobte System auch in den übrigen Krankenversicherungssystemen zum Tragen kommen könnte/sollte, mag für manche provokativ sein - richtiges politisches Handeln sollte sich jedoch gerade auch den unbequemen (unpopulären) Fragen offen stellen.

Tatsache ist, dass im Gegensatz zu anderen Sozialversicherungsträgern (etwa der Wiener Gebietskrankenkasse) die GSVA längst dazu übergegangen ist, von sich aus (!) maßgebliche Reformen im Geiste der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit umzusetzen. Allein durch die Verkleinerung der Organisationsstruktur werden an die 20 Prozent Verwaltungskosten eingespart.

Profitieren werden davon die Versicherten selbst - vor allem jene, die nicht zu den Großverdienern zählen. Gesundes Wirtschaften im Sozialversicherungswesen hat nichts mit Leistungsdumping zu tun hat, sondern kommt mittel- bis längerfristig den Versicherten selbst zugute. So wird ab 2003 die Mindestbeitragsgrundlage zur Krankenversicherung bei den Selbstständigen auf 537 Euro halbiert, Jungunternehmer werden für zwei Jahre auf die neue Beitragsgrundlage pauschaliert.

Mit der Erfüllung dieser langjährigen Wirtschaftsbund-Forderung, konnte ein wichtiger Erfolg für 170.000 Wirtschaftstreibende oder 57 Prozent der gewerblich Versicherten in den mittelständischen Betrieben erzielt werden. Das österreichische System der sozialen Krankenversicherung wird dann in der Qualität erhalten werden können, wenn die Versicherten sich der Kosten im Gesundheitswesen und auf dem Heilmittelsektor bewusst sind und ihren Beitrag dazu leisten. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2003)