Graz - Im Dezember 1995 wurde der damalige steirische Caritasdirektor Franz Küberl mit 42 Jahren zum Präsidenten der österreichischen Caritas gewählt: In den sieben Jahren seiner Amtszeit hat sich der gebürtige Grazer Profil als das unbestechliche soziale Gewissen Österreichs erworben. Redegewandt vor jedem Auditorium, unbeeindruckt von politischen Opportunitäten und mitunter mit spürbarer Lust an der Kontroverse hat Franz Küberl immer ein Hauptanliegen vertreten: Dass die Menschenwürde jener gewahrt bleibe, die in der Schattenseite der Wohlstandsgesellschaft leben müssen.

Anwaltschaft für die Schwachen

Dem Ziel, die Anwaltschaft für die Schwachen kraftvoll zu vertreten, verordnete Küberl seine Sicht des Amtes eines Caritas-Präsidenten: Ob Asylpolitik oder Ausländerfrage, ob Obdachlosen-Versorgung oder generell die Frage nach dem sozialen Klima in Österreich - der 1953 in Graz geborene Absolvent der Handelsschule und nachmalige Angestellte am LKH Graz ließ in den vergangenen Jahren keinen Zweifel offen, welches Funktionsverständnis er hat: Aus der Botschaft des Evangeliums heraus sich für Benachteiligte einzusetzen - mitunter auch ohne Kompromiss - trug ihm hohen Respekt, aber auch teilweise scharfe Gegnerschaft ein. Selbst kirchenintern hatten Amtsträger nicht immer nur Freude am Exponenten der wichtigsten katholischen Laienorganisation: Scharf hatte Küberl etwa auf die Bemerkung eines Bischofs zu einer angeblichen "dritten Türkenbelagerung" von einer "Verunglimpfung" gesprochen.

1994 wurde er steirischer Caritas-Direktor

Küberl war seit 1972 in der katholischen Arbeiterjugend Steiermark, leitete von 1976 bis 1982 das Bundessekretariat der katholischen Jugend Österreichs in Wien und war auch Vorsitzender des österreichischen Bundesjugendrings. 1982 war Küberl maßgeblich an der Organisation der großen Friedens-Demo am Wiener Rathausplatz beteiligt, zu der sich 70.000 Jugendliche einfanden. 1986 war er Generalsekretär der Katholischen Aktion Steiermark, 1994 wurde er steirischer Caritas-Direktor, bevor er 1995 zur Spitze aufstieg und Helmut Schüller in dieser Funktion ablöste. Nebenbei ist er auch seit Jahren als unabhängiger Stiftungsrat im ORF tätig.

Kritik

2002 war für den mit einer Tirolerin verheirateten zweifachen Familienvater ein Jahr voller Kontroversen: Er kritisierte etwa die aus seiner Sicht fehlende Integration von Ausländern, dass es zu wenig Maßnahmen zur sozialen Treffsicherheit oder auch zu wenig Entwicklungshilfe-Gelder gebe. Letzteren Punkt - die weltweite Entwicklung - beobachtete der Steirer mit Sorge. Unzählige Male war er in Elendsgebieten der Welt unterwegs, um sich ein Bild der Lage zu machen. Für Österreich lautete seine unbedingte Forderung, sich dringend dem Phänomen einer "kälter werdenden Gesellschaft" zu stellen. (APA)