Wien - Kräftig beleben will die Wiener Börse ihren Aktienhandel in den kommenden Jahren. Heuer sollen sechs bis acht Neuemissionen den Anfang machen. Zusätzlich rechnet Börsevorstand Stefan Zapotocky mit vier, fünf Heimkehrern vom Neuen Markt und Nasdaq Europe, wie er im APA-Gespräch sagte. Die für heuer anvisierten 2 Mrd. Euro Neukapitalisierung könnten künftig aber deutlich übertroffen werden. Ausgehend vom zusätzlichen Nachfrageschub, den Zapotocky von der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge erwartet, könnte sich die Aufnahmefähigkeit des Marktes auf bis zu 5 Mrd. Euro erhöhen.

"Durchschnittlich etwa 500 Mio. Euro zusätzliche Aktiennachfrage pro Jahr werden durch das Vorsorgemodell geschaffen", prognostiziert Zapotocky, der diesen Zufluss auf zumindest zehn bis zwölf Jahre gesichert sieht. Dieser "Schub für die nächsten zehn Jahre" werde in weiterer Folge auch eine Angebotsverbesserung, also Börsegänge und Kapitalerhöhungen, nach sich ziehen. Neben dem Potenzial aus Privatisierungen setzt Zapotocky auch auf verstärktes Interesse von privaten Unternehmen: "Rund 100 größere, österreichische Firmen kommen für ein IPO in Frage."

Gerade der wahrscheinlich dickste Fisch unter den heimischen Börsekandidaten für 2003 droht der Wiener Börse aber durch die Lappen zu gehen. Magna Steyr strebt zwar heuer einen Börsegang an, jedoch soll dieser in erster Linie in Toronto erfolgen, wo bereits Konzernmutter Magna International und -schwester Tesma notiert sind. "Wir wollen das Zweitlisting in Europa übernehmen. Das wäre eine große Bereicherung für den Kurszettel", gibt sich Zapotocky zuversichtlich.

Abwartend gibt sich indes die Mehrzahl von in den vergangenen Monaten genannten Börsekandidaten: Nicht vor dem zweiten Halbjahr oder 2004, lautet der Grundtenor aus den Konzernzentralen auf APA-Anfrage. Zumeist will man auf den "richtigen Zeitpunkt", also eine Stimmungsverbesserung an den Aktienmärkten, warten.

Seit dem Niedergang der Konkurrenten Neuer Markt und Nasdaq Europe dürfte sich die Position der Heimatbörse in Wien aber hinsichtlich der Wahl des Handelsplatzes entscheidend verbessert haben. Laut Zapotocky kann an der Heimatbörse das Potenzial der Privatanleger besser ausgeschöpft werden. Zudem baut der Börsevorstand auf die technische Stärke des Xetra-Handelssystems: "Keine anderen Börsen haben technologische Vorteile."

Zusätzlich hofft Zapotocky auf Verstärkung für das Top-Segment Prime Market aus unteren Handelssegmenten. Auf der anderen Seite werden wahrscheinlich JoWooD und Hirsch Servo nach der nächsten ATX-Überprüfung wegen zu geringer Streubesitzkapitalisierung aus dem Prime Market gestrichen. Mit Jenbacher droht sogar ein Traditionsunternehmen zu verschwinden, falls der Streubesitz das Übernahmeangebot des US-Riesen General Electric zum Großteil annimmt. Das Potenzial an Aufsteigern sei aber größer als die zu befürchtenden Abgänge, versichert Zapotocky. (APA)