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foto: apa/endig

Automarkt bremst, VW noch mehr

Wien - "Bei Stückzahlen zwischen 275.000 und 290.000 kann man von einem guten Normaljahr sprechen". Überraschend sachlich kommentierten Importeure und Handel am Dienstag die Neuzulassungzahlen für 2002, die mit 279.493 Pkw und Kombi (2001: 293.528) zum dritten Mal in Folge rückläufig sind.

Für heuer erwartet Felix Clary, Vorsitzender der Automobilimporteure sowie Geschäftsführer von BMW Austria, eine leichte Erholung auf 285.000 Autos, der Wendepunkt dürfte erreicht sein.

Larmoyanz allenfalls bei den Steuern: So forderten Clary und Heinz Havelka, Gremialvorsteher des Autohandels, anlässlich der Präsentation der Zahlen unisono eine Verbesserung der fiskalischen Rahmenbedingungen.

Der für heuer erwartete Zuwachs soll vor allem von neuen Volumsmodellen getragen werden. Das größte Potenzial hat dabei der neue Golf, der jedoch erst gegen Ende 2003 in den Handel kommt. Im Vorjahr war der VW-Bestseller zwar zum 24. Mal hintereinander mit weitem Abstand Nummer eins in Österreich, er verlor allerdings gegenüber 2001 praktisch ein Viertel seines Absatzvolumens. Auf den Plätzen zwei bis fünf: VW Polo, Passat, Audi A4, Ford Focus, Skoda Fabia.

Porsche Austria, Importeur der VW-Marken (VW, Audi, Skoda, Seat, Bentley) und Porsche, hat es trotzdem schlimm erwischt, der Sieger von 2001 ist der Verlierer 2002. Speziell VW und Skoda mussten Federn lassen (siehe Grafik). "Unsere Messlatte war allerdings ein historisches Rekordjahr", relativiert Porsche-Austria-Sprecher Hermann Becker. Heuer werde man "verkaufsmäßig zulegen, die Marktanteile zumindest halten." Grund: viele neue Modelle (VW Touareg, Touran, Beetle Cabrio, Audi A3 etc.).

Diesel-Europameister

Und hier die weiteren Haupttrends 2002: Der Dieselboom geht ungebremst weiter; mit plus 3,7 Prozentpunkten kratze man an der 70-Prozent-Marke - die heuer nach Einschätzung Clarys übersprungen wird. Europameisterlich. Die Fragmentierung in immer kleinere Autosegmente geht rasch voran; zulegen konnten besonders Gelände-und Großraumwagen (Mini-und Kompaktvans). Und erstmals waren mehr als zehn Prozent aller Neuen Allradler.

Drastische Einbußen bei Motorrädern (-13,5 Prozent) und Nutzfahrzeugen (-8,1 Prozent). Die Deutschen beherrschen weiter knapp die Hälfte vom Pkw-Markt (47,4 Prozent), Frankreich holt auf (16,6 Prozent), und Japan ist wieder da (10,0 Prozent).

Österreich befindet sich mit seinem Minus im europäischen Mittelfeld. Die Neuzulassungen in Westeuropa waren 2002 um 2,9 Prozent auf 14,4 Mio. Pkw rückläufig. Besonders schlimm erwischt hat es die großen Märkte Spanien (minus 6,6 Prozent), Italien (minus 5,9) und Frankreich (minus 4,9). Überraschend glimpflich davongekommen ist der größte Markt, Deutschland, wo sich das Minus auf 2,6 Prozent einpendelte. Bei den pfundstarken Briten herrscht hingegen Sonderkonjunktur: plus 4,3 Prozent Pkw-Neuzulassungen.

Gegen den Trend auch Nordeuropa. In den skandinavischen Auto-Hochsteuerländern hat die in Stufen erfolgende EU-weite Preisharmonisierung bei Neuwagen - Autohersteller reagieren mit einheitlichen Nettopreisen auf das neue Vertriebsregelwerk GVO - einen Nachfrageboom ausgelöst: Bevor die Autos dort richtig teuer werden, greifen die Konsumenten noch zu. Ergebnis 2002: Dänemark plus 15,3 Prozent, Finnland plus 7,0 Prozent, Schweden plus 3,2 Prozent. (stock, DER STANDARD, Printausgabe 15.1.2002)