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Ein Mädchen versteckt sich hinter der Burka einer Frau.
Reuters/BAZUKI MUHAMMAD

Washington/Kabul - Die christlichen Kirchen in den USA sind in tiefer Sorge über die anhaltende Unterdrückung von Frauen und Mädchen durch afghanische Politiker, die von Washington massiv gefördert werden. Der jüngste Bericht der Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" (HRW) über die Situation der Frauen in Afghanistan hat diese Sorge noch verstärkt: "In vielen Gebieten wurden die Taliban-Verantwortlichen durch Kriegsherren und oberste Beamte ersetzt, die eine ähnliche Einstellung Frauen gegenüber haben wie ihre Vorgänger." In einigen Regionen seien sogar jene Leute auf ihren Posten geblieben, die für die extrem frauenfeindliche Politik der Taliban verantwortlich waren.

Rückschläge

Im Vorjahr habe es zwar Fortschritte bei der Rückkehr der Frauen ins Berufsleben und ins Schulwesen gegeben, heißt es im HRW-Bericht. Zugleich sei aber eine wachsende frauenfeindliche Repression "lokaler Kriegsherren", aber auch von offiziellen Regierungsbeamten festzustellen gewesen, um neuerlich gesellschaftliche Verhaltensweisen durchzusetzen, wie sie von den islamistischen Taliban-Fanatikern den Menschen aufgezwungen worden waren. Vor der islamistischen Machtergreifung hatte es im königlichen und dann auch im kommunistisch dominierten Afghanistan eine starke weibliche Präsenz im professionellen und Erziehungsbereich gegeben.

Raketen auf Mädchenschulen

Der HRW-Bericht prangert vor allem das Verhalten des "Gouverneurs" von Herat, Ismail Khan, an, der von den USA unterstützt wird. Der Khan schränke die Aktionsmöglichkeiten der Frauenvereinigungen ein, schüchtere deren Repräsentantinnen ein und schließe die Frauen aus dem Verwaltungsapparat der Provinz Herat aus. HRW berichtet aber auch von Raketenangriffen auf Mädchenschulen und von Übergriffen gegen Frauen, die von selbst ernannten "Sittenwächtern" in Begleitung von nichtverwandten Männern angetroffen wurden. Diese Frauen hätten "Keuschheitstests" über sich ergehen lassen müssen. Ebenso seien Frauen gezwungen worden, den Ganzkörperschleier ("Burka") zu tragen.

Kirchen zur Hilfe aufgerufen

Im Gespräch mit der ökumenischen Nachrichtenagentur ENI betonte Susan Sanders, die Entwicklungsbeauftragte der United Church of Christ (UCC), die Kirchen müssten alles tun, um die Sache der Frauen und der Mädchen in Afghanistan und deren Kampf für Autonomie zu unterstützen. Susan Sanders unterstrich zugleich, dass die Kirchen auch das Verhalten der Regierung in Washington und der US-Armee in Afghanistan "kritisch durchleuchten" müssten. Vor allem müsse jede amerikanische Unterstützung für "Kriegsherren" angeprangert werden, die sich Menschenrechtsverletzungen zu Schulden kommen lassen. (APA)