Riems - Auf der Ostseeinsel Riems begann am Mittwoch der bisher größte BSE-Versuch Deutschlands. Die Wissenschafter der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere wollen nach eigenen Angaben den Infektionsweg des BSE-Erregers im Körper des Rindes erforschen. Dazu werden 56 Kälber über die Gabe von je 100 Gramm infektiösem Hirngewebe britischer Rinder mit dem Erreger infiziert. Der Langzeitversuch soll vier Jahre dauern.

Die infizierten Versuchstiere sollen im Abstand von jeweils rund vier Monaten getötet werden. Die Analyse von je 80 Gewebeproben pro Rind soll Aufschluss darüber geben, wie weit der Erreger jeweils vorgedrungen ist, sagte der Sprecher des Forschungsinstitutes, Knut Janßen. Dazu werde das Gewebematerial auch in Mäuse injiziert, die besonders sensibel auf veränderte Prionen reagieren.

Vorarbeiten für die Entwicklung von BSE-Lebendtests

Mit dem Versuch wollen die Forscher zudem Vorarbeiten für die Entwicklung von BSE-Lebendtests an Rindern leisten. Bisher kann eine BSE-Infektion nur im Hirngewebe und damit ausschließlich bei getöteten Tieren nachgewiesen werden. Seit November 2000 wurden in Deutschland nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums 238 Fälle der Rinderkrankheit registriert.

Die Kälber, die von einem vorpommerschen Biohof stammen, werden in einem rund eine Million Euro teuren Forschungsstall mit steriler Sektionshalle gehalten. Der Stall mit aufwendigen Sicherheitseinrichtungen wurde eigens für den Großversuch errichtet.

Der traditionsreiche Forschungsstandort auf der hermetisch gesicherten "Seucheninsel" Riems wurde 1910 von Friedrich Loeffler gegründet, der den Erreger der Maul- und Klauenseuche entdeckt hatte. (APA/dpa)