Tokio - Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi ist erneut zu dem umstrittenen Yasukuni-Schrein für Japans Kriegstote gepilgert. Zuletzt hatte Koizumi im April 2002 mit einem Besuch des Shinto-Heiligtums scharfe Kritik aus China, Südkorea und den Philippinen auf sich gezogen. Diese Länder litten vor und während des Zweiten Weltkriegs unter japanischer Besatzung. In dem Schrein werden auch 14 japanische Kriegsverbrecher geehrt, unter ihnen der hingerichtete Regierungschef General Hideki Tojo.

Er wolle zum neuen Jahr mit einem "neuen Gefühl" und in dem Gedanken, dass "wir kein zweites Mal einen Krieg beginnen", um Frieden beten, sagte Koizumi am Dienstag kurz vor seinem dritten Besuch in dem Yasukuni-Schrein. Jedes Jahr halten es einige Mitglieder der Regierung unter Berücksichtigung der patriotischen Gefühle einflussreicher Wählergruppen für nützlich, dem Yasukuni-Schrein in Tokio einen Besuch abzustatten. Doch nur einer der zahlreichen Regierungschefs hat es in den vergangenen Jahren für nötig befunden, dem Shinto-Heiligtum am Tag der Kapitulation am 15. August einen offiziellen Besuch abzustatten: Yasuhiro Nakasone 1985.

Koizumi hatte sich 2001 kurzfristig entschieden, nicht wie zunächst geplant am 15., sondern zwei Tage früher dort hinzugehen. Im Jahr darauf war er im April dort gewesen. Neben anderen asiatischen Ländern verurteilen insbesondere China und Südkorea die Zeremonien zur Ehrung der japanischen Kriegsveteranen als "Rituale des Militarismus". In beiden Ländern ist die Erinnerung an die japanische Besatzung bis 1945 noch sehr lebendig. Japan hatte zwischen 1931 und 1945 große Teile Chinas besetzt und in der Mandschurei einen Marionettenstaat ("Mandschukuo") errichtet, Korea war von 1910 bis 1945 japanische Kolonie.

In einer Erklärung des chinesischen Außenministeriums hatte es geheißen, es gehe hier um die Frage, "ob Japan sich einer ernsthaften Selbstprüfung der Invasionsgeschichte der Vergangenheit unterzieht". Das hänge auch direkt mit den Gefühlen der Opfer in den asiatischen Staaten einschließlich Chinas zusammen. Chinas Staatschef Jiang Zemin hatte kritisiert, dass in japanischen Schulbüchern nach wie vor Hinweise auf die Kriegsgräuel in China fehlten, insbesondere das Massaker der japanischen Invasionsarmee an Hunderttausenden von chinesischen Zivilisten in Nanking 1937. (APA/dpa)