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Foto: APA/dpa/Stephanie Pilick

Wien - Dem bisher wenig erforschten Thema Musik in Medizin und Psychotherapie widmet sich kommenden Freitag und Samstag ein von der Wiener Internationalen Akademie für Ganzheitsmedizin und dem Institut für Ethnomusiktherapie Schloss Rosenau im Waldviertel ausgerichtetes Symposion in der Bundeshauptstadt. Dabei geht es darum, über Einsatzgebiete und methodische Entwicklungen klinisch bewährter Verfahren zu informieren, neue Forschungsergebnisse zu diskutieren und zu versuchen, die geistes- und naturwissenschaftlichen Standpunkte einander anzunähern.

Dass Musiktherapie wirkt, ist bekannt, hinter dem Wie stehen für die Naturwissenschafter allerdings eine Reihe von Fragezeichen. Angewandt wird Musik als Kommunikationsmittel in der Psychotherapie, wenn die verbale Therapie versagt, in der Sonder- und Heilpädagogik, in der Arbeit mit Behinderten sowie in Neurologie (bei Wachkoma und Schädel-Hirnverletzungen) und Onkologie. Schrittweise erobert sie nun, wie Musiktherapeut Gerhard Tucek, Direktor des Instituts für Ethnomusiktherapie, am Dienstag bei einer Pressekonferenz sagte, auch die "Hochburg" der wissenschaftlichen Medizin, die Kardiologie. Der Fachmann: "Je mehr der Mensch als Sinnenwesen angesprochen wird, desto effektiver werden die Methoden."

Es gibt kein Musiktherapiegesetz

In österreichischen Spitälern und Rehabilitationseinrichtungen sind ungefähr 150 Musiktherapeuten tätig. Eine gesetzliche Basis für ihre Arbeit gibt es nicht. Tucek: "Dass es kein Musiktherapiegesetz gibt, sagt etwas über die Situation aus. Es handelt sich immer um 'Kann-Leistungen in einer Klinik', niemals um 'Muss-Leistungen'."

Da die Praxis weiter fortgeschritten ist als die Forschung, geht es bei dem Symposium auch um die Frage, wie man interdisziplinäre Forschungsprojekte weiterentwickeln und zu "hard facts" kommen kann. Studien zu dem Thema sind bisher äußerst dünn gesät. Bewiesen wurde aber unter anderem durch eine Untersuchung in den USA vor einigen Jahren, dass die Sterblichkeitsrate von Herztransplantationspatienten durch die Anwendung von Musiktherapie um fast ein Drittel sinkt. Ein Forschungsprojekt der AUVA hat bewiesen, dass sich die Zahl der Arbeitsunfälle von Schichtarbeitern am Bau durch Jazzgymnastik oder Eurhythmie enorm reduziert.

Beginnende Studie

Im Frühjahr soll im burgenländischen Kurzentrum Bad Tatzmannsdorf eine Studie über die Wirkung von Musiktherapie auf Veränderungen im Immunsystem von Brustkrebspatientinnen beginnen. Eine Gruppe soll dabei mit organspezifischer Musik "behandelt" werden - Kenntnisse dazu existierten schon vor Jahrhunderten im Orient. Dort ist die traditionelle Musik in Neuntel-Tonschritte unterteilt, womit fast 400 Tonarten entstehen. Zwölf bis 20 von ihnen sind laut Tucek bestimmten Organen zugeteilt worden. Die Therapie einer Vergleichgruppe wird mit selbst gewählter Musik unterstützt. Die Ergebnisse beider Gruppen werden mit jenen bei Patientinnen verglichen, die ohne Musik behandelt werden. (APA)