Wien - "Mit allen Mitteln" will sich die Hochschülerschaft an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien gegen die Einführung einer "Knock-Out-Prüfung" wehren. Eine solche Einstiegshürde solle am kommenden Dienstag (21. Jänner) in Sitzungen der zuständigen Studienkommissionen beschlossen werden, warnte der Vorsitzende der Hochschülerschaft an der WU, Werner Weingraber (AktionsGemeinschaft), bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Widerstand kommt auch von der Bundes-ÖH, dem ÖGB und Studentenfraktionen.

Geplant sei die Einführung einer Knock-Out-Prüfung aus den Bereichen Marketing, Volkswirtschaftslehre und Mathematik am Anfang des Studiums, wobei alle drei Teile positiv absolviert werden müssten, so Weingraber. Ohne Bestehen dieser Hürde wäre ein weiteres Studium an der WU nicht möglich, laut den derzeitigen Plänen stehe den Studenten die dreimalige Wiederholung dieser Prüfung offen. "Unfair" sei ein solcher Test vor allem deswegen, weil Absolventen von Handelsakademien auf Grund ihres Vorwissens Vorteile hätten - außerdem lasse ein einmaliges Abrufen einer Leistung keine Schlüsse auf die Eignung als Student zu.

Ziehe man die Durchfallsdaten der derzeitigen Prüfungen aus Marketing, Mathematik und Volkswirtschaftslehre heran, würden 88 Prozent der Studenten die Einstiegshürde nicht nehmen, meinte Weingraber. Damit verbunden wäre der Verlust des Anspruchs auf Sozialleistungen wie Familien- oder Studienbeihilfe, für die ein Leistungsnachweis erbracht werden müsste. Für ihn stelle sich die Frage, wie ein "so hervorragender und anerkannter Sozialpolitiker" wie WU-Rektor Christoph Badelt eine derartige Maßnahme befürworten könne.

Widerstand kündigte Weingraber auch gegen andere Einsparungspläne an der WU an. So sei etwa geplant, weniger Plätze in Lehrveranstaltungen anzubieten - als Beispiel nannte er "Marketing II", wo nur noch 1.000 Plätze zur Verfügung stehen sollen. Logische Konsequenz einer solchen Maßnahme wäre das "Hinausprüfen" von Studenten. Wehren will sich die Hochschülerschaft auch gegen Pläne, manche Lehrveranstaltungen nur mehr über das Internet anzubieten.

Protest gegen die WU-Pläne kommt auch von der Bundes-ÖH: "Knock-Out-Prüfungen" bedeuteten den "endgültigen Todesstoß für den freien Hochschulzugang", hieß es in einer Aussendung. Für die versteckte Einführung eines Numerus clausus hält der ÖGB den Vorstoß der Wirtschaftsuniversität, ein solcher könne nicht im Sinne moderner Bildungspolitik sein. "Stumpfsinniges Selektions-Management" werfen die Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) der WU vor und befürchten "vorweihnachtliche Knock-Out-Prüfungen in einem verschneiten Ernst-Happel-Stadion". Die bürgerliche AktionsGemeinschaft kündigte an, dass sich Badelt auf "harte Zeiten" einstellen müsse, wenn die WU "tatsächlich diesen Weg gehen möchte". (APA)